bedeckt München 24°

Tipps:Das sind die Serien des Monats

Unsere Empfehlungen: von Größen wie "Babylon Berlin" über "Star Trek: Picard" bis zu Entdeckungen wie "Little America".

Mit den Neujahrsvorsätzen schon ganzheitlich gebrochen? Dann zurück zum Binge-Watching. Die SZ-Medienredaktion stellt die besten Serien im Januar vor.

Babylon Berlin

Was passiert: Berlin 1929. Charlotte Ritter (Liv Lisa Fries) und Gereon Rath (Volker Bruch) arbeiten in der dritten Staffel der Serie an einem Mordfall in den Filmstudios Babelsberg. Der Leinwandstar Betty Winter ist während der Dreharbeiten von einem Scheinwerfer erschlagen worden, was kein Unfall war. Währenddessen werden die Nazis mächtiger, brutaler und organisierter, und das Dienstmädchen Greta (Leonie Benesch) steht vor Gericht. Ihr droht die Todesstrafe.

Heimlicher Star: Sabin Tambrea als Tristan Rot - nervenschwacher und gleichwohl leidenschaftlich dem Okkultismus huldigender Ehemann des Mordopfers. Er wirkt, als wäre er direkt aus einem expressionistischen Film gefallen.

Nicht geeignet für: Alle, die Babylon Berlin bloß wegen der enthemmten Nächte im Moka Efti mochten. Das Etablissement liegt still. Unruhiger werden nicht die Tanzbeine, sondern die Zeiten. Claudia Tieschky

Zu sehen bei Sky, 12 Folgen.

Little America

Was passiert: Die Anthologie-Serie Little America erzählt acht ganz unterschiedliche Geschichten von Einwanderern in den USA, die aber eines gemein haben: Ihre Protagonisten machen das Beste aus dem, was ihre Umstände bereithalten - ob das der zwölfjährige Junge ist, der das Motel seiner Eltern weiterführt, als die in ihr Geburtsland Indien abgeschoben werden, oder die junge Mexikanerin ohne Papiere, die sich durch ihre Squash-Leidenschaft einen Platz in der amerikanischen Gesellschaft erkämpft.

Heimlicher Held: Der Schauspieler Conphidance, dessen Figur des nigerianischen Studenten Iwegbuna Ikeji in der Folge "Der Cowboy" mit stoischem Optimismus gegen seine Einsamkeit ankämpft.

Nicht geeignet für: Pessimisten. Die Geschichten sind heitere und uramerikanische Erfolgserzählungen. Luise Checchin

Läuft bei Apple-TV, 8 Folgen.

Star Trek: Picard

Was passiert: Der legendäre Captain der Enterprise, Jean-Luc Picard, könnte eigentlich sein Rentnerleben auf einem französischen Weingut genießen. Aber wie soll das gehen, wenn alles drum herum vor die Hunde geht? Die einst utopisch-ehrbare Sternenflotte überlässt Flüchtlinge ihrem Schicksal und verbietet aus Angst die Forschung an künstlicher Intelligenz. Als dann noch eine mysteriöse, verfolgte Frau auf seinem Gut auftaucht, der er helfen soll, kehrt Picard zurück ins kalte All.

Heimlicher Held: "Number One" heißt der bullige braune Pitbull-Terrier, der mit Picard durch den Weinberg spaziert. Sein Name ist ein schöner Gruß an den ersten Offizier der Enterprise in Star Trek: Das nächste Jahrhundert, William Riker (Jonathan Frakes), den Picard genauso nannte. Und er deutet schon an, dass es dem Captain a.D. nicht reicht, den Drohnen beim Bewässern seiner Reben zuzuschauen.

Nicht geeignet für: Menschen, die sich von Donald Trump und Boris Johnson gut unterhalten fühlen und sich nicht täglich danach sehnen, dass mal wieder ein echter Erwachsener die Dinge in die Hand nimmt. Kathleen Hildebrand

Läuft bei Amazon, wöchentlich neue Folgen.

The Capture

Was passiert: Der Soldat Shaun Emery, gerade erst freigesprochen vom Verdacht, in Afghanistan ein Kriegsverbrechen begangen zu haben, wird einen Tag nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis erneut festgenommen. Er soll seine Anwältin entführt haben. Es gibt Aufnahmen einer Überwachungskamera, die das beweisen. Doch Emery bestreitet die Tat und die Ermittlerin Rachel Carey stößt bald auf gute Gründe, ihm zu glauben.

Heimlicher Held: Die Mitarbeiterin der CCTV-Zentrale, die das Leben der Londoner so liebevoll beobachtet, als wäre es eine Telenovela und die dabei stets intuitiv zu wissen scheint, was als nächstes passiert.

Nicht geeignet für: Fortschrittsbegeisterte. Wie The Capture die Möglichkeiten der Bildmanipulation durchdekliniert, kann eine paranoid zurücklassen. Luise Checchin

Zu sehen bei Starzplay, sieben Folgen.

Tödliche Flucht

Was passiert: Geflüchtete warten in einer Erstaufnahmeeinrichtung in Dublin seit acht Jahren darauf, dass jemand ihnen sagt, ob sie bleiben dürfen oder zurück in ihre Heimat müssen. Sie werden hingehalten, und das Hinhalten gebiert große Probleme. Eines Morgens wird ein Mädchen aus Nigeria aufgefunden. Totgeprügelt. Erst jetzt interessieren sich die Behörden für all das, was acht Jahre lang niemanden zu kümmern schien. Plötzlich gerät der Leiter der Einrichtung ins Zwielicht. Plötzlich sind übereifrige Polizisten am Werk.

Heimlicher Held: Aïssa Maïga als Abeni, die nicht nur ihre Kinder übers Meer gebracht hat, sondern als heimliche Ermittlerin auch mehr Licht ins Dunkel der Verhältnisse bringt als die gesamte Polizei.

Nicht geeignet für: Freunde schneller Erzählweisen. Regisseur David Caffrey nimmt sich Zeit und dehnt sie mit Wiederholungen so, dass ein Gefühl entsteht für die Lage der Geflüchteten, die nichts haben - außer viel zu viel Zeit. Hans Hoff

Zu sehen bei Arte, sechs Folgen.

The Outsider

Was passiert: Es hat einen bestialischen Mord gegeben. Das Opfer ist elf und der Täter doch wohl eindeutig der Englischlehrer Terry Maitland. Viele haben ihn ja gesehen: Wie er kurz nach der Tat blutüberströmt aus einem Gebüsch kommt. Wie er den Van fährt, mit dem die Leiche transportiert wurde. Wie er im schäbigen Stripclub des Städtchens seine blutigen Klamotten wechselt. Es gibt Videoaufnahmen. Und Fingerabdrücke. Und dann gibt es plötzlich Bilder, die ihn zur Tatzeit zeigen - Stunden entfernt. Kann ein Mensch also an zwei Orten zur selben Zeit sein?

Heimlicher Held: Das Böse. Oder genauer: die Seuche böser Taten, die sich durch die vermeintliche Normalität und dann von Mensch zu Mensch frisst. Ein Hoch auf die Zivilisation. Bis sie doch zusammenstürzt.

Nicht geeignet für: Ahnungslose Menschen, die Stephen King, von dem die ebenfalls fantastische Romanvorlage stammt, für einen Trivial-Autor halten. Jakob Biazza

Läuft bei Sky, zwölf Folgen.

Avenue 5

Was passiert: Eigentlich sollte die Avenue 5 nur eine vergnügliche Weltraumkreuzfahrt um den Saturn unternehmen, doch ein Unfall bringt das Raumschiff vom Kurs ab. Statt acht Wochen soll es jetzt drei Jahre zurück zur Erde brauchen. Die völlig inkompetente Besatzung scheitert kläglich daran, die Gäste zu beruhigen und macht mit ihrem katastrophalen Katastrophenmanagement alles immer schlimmer.

Heimlicher Held: Zach Woods als nihilistischer Chef des Passagier-Services. "Sollten wir Angst haben?", fragt ihn ein Gast nach dem Unfall. "Vielleicht, wenn sie mögen", antwortet der Manager. Worauf der Gast ihn empört anschreit: "Ihre Aufgabe ist es, 'nein' zu sagen!"

Nicht geeignet für: Liebhaber tiefgründiger Fernsehkunst. Avenue 5 ist witzig und gut gespielt, große Erkenntnisse sind aber nicht zu erwarten. Luise Checchin

Läuft bei Sky, zehn Folgen.

Sex Education

Was passiert: Nachdem Otis (Asa Butterfield) und Maeve (Emma Mackey) in der ersten Staffel erfolgreich eine "Sex-Klinik" für ihre Mitschüler eingerichtet haben, bekommen sie in Staffel zwei Konkurrenz vom Profi. Otis' Mutter (Gillian Anderson), Sexualtherapeutin, berät nun an der Schule. Kostenlos. Daneben entwickeln sich die Beziehungen und Charaktere aus Staffel eins weiter. Landschaft, Wetter und Musik bleiben schön. Gegen Ende der Staffel wird es etwas rührselig, bewahrt aber seinen Witz. Außerdem gibt viel zu lernen übers Freundehaben, Elternhaben und Verliebtsein. Und natürlich über Sex. Auch in Staffel zwei ist in Sex Education ein Sprechen über Sexualität möglich, wie man es sich für alle Schulen nur wünschen würde.

Heimlicher Held: Direktorensohn Adam Groff, der nicht nur nächtliche Baseballschläger-Aktionen für sich entdeckt, sondern auch die wahre Liebe.

Nicht geeignet für: Menschen, die Probleme mit dem Wort "Sex" in Serientiteln haben. Elisa Britzelmeier

Zu sehen auf Netflix, acht Folgen.

© SZ vom 31.01.2020

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite