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Test in München und Stuttgart:Vier relevante Sportzeitungen in Spanien

In Spanien existieren dafür gleich vier relevante Sportzeitungen: Marca und Diario As in Madrid, El Mundo Deportivo und Sport in Barcelona. Gemeinsam ist ihnen, dass sie der Zerstreuung dienen. Sie sind so weit von den Problemen des Alltags (oder der Regierungsgeschäfte) entfernt wie die Venus von der Erde. Allesamt sind sie - anders als Springers allein auf den Fußball ausgerichtete Fußball-Bild - der Form nach interdisziplinäre Blätter, doch der Fußball dominiert deutlich, auch zuletzt während der Olympischen Spiele. Darüber hinaus zeichnen sie sich durch eine radikale Nähe zu den beiden Spitzenklubs aus: Marca und As sind an den Leser gerichtet, der Real Madrid nahesteht, El Mundo Deportivo und Sport sind an Barcelona-Fans adressiert. In den Provinzen behilft man sich daher mit eigenen Titeln wie Super-Deporte in Valencia.

Zeitungen als Vehikel für das Club-Marketing

Die Entwicklung hin zu einem Sportjournalismus, der ohne Scham auf Vereinsaffinitäten zielt, setzte mit der Etablierung der Sport Anfang der 1980er-Jahre ein. Das Motto der Zeitung, "Sempre amb el Barça", zu Deutsch: Immer mit Barça, funktionierte so gut, dass El Mundo Deportivo auf die gleiche Politik einschwenkte. Seit zwei Jahrzehnten nimmt As klar Partei für Real, Marca zog nach. Das ist dem Verkauf geschuldet, der an den Tagen nach großen Triumphen, einem Champions-League-Finalsieg zum Beispiel, brutal anzieht. Doch diese Nähe hat noch andere Gründe. Die Zeitungen dienen auch als Vehikel für den Vertrieb von offiziellen Marketingprodukten der Klubs, die wiederum für das wirtschaftliche Überleben der Zeitungen in Zeiten sinkender Auflagen relevant sind.

Umgekehrt sind ebendiese Verquickungen zum Druckmittel der Klubs auf die Zeitungen geworden. Bei unliebsamer Berichterstattung, so berichtet ein Insider, wird eine Zeitung schon mal dadurch abgestraft, dass ihr weniger attraktive Marketingprodukte überlassen werden: "Du darfst ein Handtuch per Coupons verkaufen, dein Marktrivale ein hochwertiges Marken-Sweatshirt mit dem Klubemblem." Bei Marca ist mancher Chefredakteur auch schon unter Einfluss der Real-Klubführung entlassen worden.

Vorerst keine Vollredaktion bei "Fußball-Bild"

Solche Entwicklungen sind bei Fußball-Bild nicht absehbar, weil sie ihre Geschichten "nicht aus regionaler Sicht transportieren" will, wie Brügelmann sagt. Die Zeitung solle ein bundesweites Angebot sein. Anders als die südeuropäischen Zeitungen geht Fußball-Bild vorerst nicht mit einer eigenen Vollredaktion an den Start, sie wird ihre Inhalte aus Regionalredaktionen der Bild bestreiten, diese neu mischen und gewichten. Die Bild-Zeitung hat je nach Region unterschiedliche Fußball-Aufmacher, ein Leser der Bild in München oder Stuttgart bekam bislang nicht zwingend mit, was in Berlin oder Hamburg vor sich ging. Durch Fußball-Bild wird dies anders.

Sollte das Projekt funktionieren, träte Springer in die Fußstapfen der Kommunisten. Die einzige Sportzeitung, die sich in Deutschland durchsetzte, war das Sport-Echo der DDR, das Springer nach der Wende übernahm und 1991 wieder einstellte, wegen sinkender Auflagenzahlen.

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