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Streik bei der Frankfurter Rundschau:"Ein Vorgehen wie bei Schlecker"

Und das ausgerechnet bei der FR. Bei einer linksliberalen Zeitung, die oft eher links als liberal war, und seit einiger Zeit zu 40 Prozent der DDVG gehört, der Medienholding der SPD. "Deren Haltung hat uns ganz besonders erschüttert", sagt Verdi-Vertreter Manfred Moos. Er vergleicht "den Versuch, Leute rauszuschmeißen und ihnen anzubieten, bei anderen Unternehmen zu schlechteren Konditionen weiterzuarbeiten", mit dem Vorgehen der Drogeriekette Schlecker.

Für manche Redakteure ist etwas zerbrochen. Für die Überzeugtesten vor allem. "Es herrscht Trauer um den Verlust des Ganzen", versucht eine Mitarbeiterin die Stimmung zu beschreiben. Um den eigenen Posten, aber genauso um die eigenständige Stimme, die die FR in der Presselandschaft war.

War? Herausgeber Alfred Neven DuMont ärgert sich über derlei Trauerreden. Dummerweise kommen sie nun auch aus seiner eigenen Redaktion. Zu den Sparplänen sagt ein Redakteur: "Das ist tödlich, man kann davon ausgehen, dass es in zwei Jahren endgültig vorbei ist." Und eine Kollegin befürchtet: "Es wird ein Hauen und Stechen geben." Untergangsstimmung macht sich breit.

In der Hauptstadt haben währenddessen die Redakteure der Berliner Zeitung einen Offenen Brief geschrieben. Darin steht: "Der Umgang mit den Kollegen der FR empört uns." Man werde das Schwesterblatt "solidarisch unterstützen, wo wir können". In dem Brief steht aber auch, dass für die Zusatzarbeit, die sie in Berlin künftig für den Mantel der FR leisten sollen, das Personal gar nicht reiche: "Wir fordern eine ehrliche Planung."

Bei der FR haben sie neben der Teeküche eine Pinnwand mit Leserbriefen aufgehängt. Etwa 80 sind eingetroffen zu den Sparplänen seit vergangenem Freitag. Nach der Umstellung auf ein kleineres Format waren es einst deutlich mehr. "Mir hat es fast den Atem verschlagen", schreibt ein treuer Abonnent. Und ein anderer teilt mit, er kündige hiermit: "Sie können sich jetzt ja in Berlin neue Leser suchen."