Spin-off zu "The Walking Dead":Blut geleckt

Lesezeit: 2 min

Fear the Walking Dead; Amazon

Noch am Leben: Nick und Alicia (Frank Dillane und Alycia D. Carey).

(Foto: AMC)

Im Prequel zur Zombie-Serie "The Walking Dead" steht noch nicht an jeder Ecke ein milchäugiger Untoter. Das hat Vor- und Nachteile.

Von Karoline Meta Beisel

Er muss verrückt geworden sein. Als der junge Junkie Nick aus dem Heroinrausch erwacht, ist seine Freundin verschwunden. Als er sie findet, ist sie gerade dabei, jemandem die Wange vom Kiefer zu nagen. In der Welt von The Walking Dead ist das ein normaler Anblick, dort gibt es mehr Untote als Lebende, und Zombies essen nun mal Menschenfleisch.

Das Gemeine ist: Das hier ist keine Folge von The Walking Dead. Nick (Frank Dillane) ist eine Figur aus der Schwesterserie Fear the Walking Dead, die von diesem Montag an auf Amazon zu sehen ist. Hier geht es um die Vorgeschichte, um eine Welt, in der Zombies noch nicht normal sind. Der arme Nick muss glauben, er habe den Verstand verloren.

Die Endzeitserie The Walking Dead ist ein popkulturelles Phänomen: Einerseits ist sie wirklich enorm blutrünstig bis eklig, hinter jedem Baum röchelt ein milchäugiger Untoter und ständig wird mit schleppenden Schritten jemand verfolgt, oft genug auch getötet, den man lieb gewonnen hat. Andererseits ist The Walking Dead trotzdem eine der erfolgreichsten Fernsehserien der Welt: Die Auftaktfolge der jüngsten, fünften Staffel sahen allein in den USA knapp 18 Millionen Zuschauer. Kein Wunder, dass die Verantwortlichen beim Sender AMC da Blut geleckt haben.

Fear the Walking Dead spielt einige Wochen vor den Ereignissen, die in der Mutterserie gezeigt wurden. Die Zombie-Pandemie hat gerade erst begonnen, was für zartere Gemüter eine doppelt gute Nachricht ist: Es gibt noch nicht so viele Zombies, die Zuschauer eklig finden könnten. Und die, die es gibt, sind noch nicht so stark verwest. Offenbar erreichen Untote erst nach ein paar Wochen den richtigen Reifegrad.

Die Menschen müssen erst lernen, was der Zuschauer schon weiß

Nick und seine Patchworkfamilie leben im staubig-dunstigen Los Angeles, was die Serie allein von den Farben vollkommen von der sumpfig-grünen Schwestererzählung abhebt. Der wichtigste Unterschied ist aber, dass die normale Welt noch existiert, was Blicke auf unsere Zeit zulässt. So taucht ein Video auf, in dem Polizisten mit unzähligen Kugeln einen Obdachlosen zersieben - die ersten Opfer der Seuche sind die Armen, die Gesetzlosen und die Junkies. Die Proteste, die gegen die Polizeigewalt aufwallen, erinnern an die aus der echten Welt. Nicks Schwester hält das Video, in dem zu sehen ist, wie der erschossene Obdachlose wieder aufsteht, für ein Fake. Ihr Freund hat ihr ein Herz aufs Handgelenk gemalt. Der Zuschauer ahnt, dass der Filzstift länger halten wird als der Freund.

Überhaupt müssen diese Menschen all das erst lernen, das der Walking Dead-Fan längst verinnerlicht hat: Nein, es ist nicht bloß die Grippe; immer auf den Kopf zielen, nie auf's Herz; und wer gebissen wird, ist nur durch Amputation der betroffenen Gliedmaße zu retten. Das ist die Schwäche zumindest jener beiden Folgen, die die Presse vorab zu sehen bekam: Man weiß schon, worauf all das hinausläuft.

Andererseits: Auch im Horrorfilm ist nicht so wichtig, was passiert - am gruseligsten ist der Moment, kurz bevor etwas passiert. Und genau um diesen Moment geht es in dieser Serie.

Fear the Walking Dead, sechs Folgen, von Montag an auf Amazon Prime.

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