Soziale Netzwerke Gekommen, um zu bleiben

Der ORF zieht sich von Facebook zurück. Der Senderverbund reduziert die Zahl seiner Seiten dort von 70 auf 20 und kündigte weitere Schritte an. Wie die Öffentlich-Rechtlichen mit dem sozialen Netzwerk umgehen wollen.

Von David Denk

Spätestens durch den Cambridge-Analytica-Datenskandal hat das Image von Facebook stark gelitten und die Skepsis gegenüber dem Internetkonzern zugenommen. Weil sich "das Bild der Öffentlichkeit von Sozialen Medien, vor allem von Facebook, dramatisch verändert" habe, kündigte der Österreichische Rundfunk (ORF) im Sommer eine neue Social-Media-Strategie an: Zum 1. Dezember hat der ORF nun seine Facebook-Präsenz von zuletzt 70 auf etwa 20 Seiten zurückgefahren. Ebenso massiv reduziert werden soll der Upload von Videos. Bereits umgesetzt hat der Sender die Verbannung von Facebook-Werbung im Fernsehen oder Bannerschaltungen auf ORF.at. Bei den deutschen Öffentlich-Rechtlichen zeigt man sich bislang unbeeindruckt. Oder hat sich auch deren Haltung verändert? Die SZ hat bei ARD und ZDF nachgefragt.

Ein ARD-Sprecher sagt, die Fragen rund um Facebook würden intern wie im Programm "kritisch diskutiert". Jedoch sei der Senderverbund "von dem Grundgedanken geleitet, dass wir Nutzer mit unseren Angeboten dort 'abholen' müssen, wo sie sich bewegen". Ein ruckartiger Rückzug scheide zudem aus, weil man Social-Media-Debatten nicht jenen überlassen dürfe, "die mit einseitigem Content oder gar Hetze Meinungen zu manipulieren versuchen". Aufgabe des Senderverbunds sei es, "mit professionell recherchierten Informationen und Fakten-basierten Inhalten Debatten zu versachlichen". Erklärtes Ziel sei es auch, "Alternativen anzubieten" zu den dominanten US-Playern: mit Mediatheken, Apps oder der vom ARD-Vorsitzenden, BR-Intendant Ulrich Wilhelm, ins Gespräch gebrachten "Super-Plattform" für Qualitätsinhalte.

Vom ZDF heißt es auf Anfrage knapp, die Facebook-Seiten des Senders seien "wichtige Plattformen für den Austausch mit dem Publikum. Ein Rückzug davon ist nicht geplant." Auch die Mainzer verweisen darauf, sich in der Berichterstattung "journalistisch kritisch" mit Facebook auseinanderzusetzen.