Schauspieler Johannes Hallervorden Nicht nur "der Sohn von Didi"

Manche Kinder prominenter Eltern drehen durch, tragen lustige Hüte oder führen schrille Freundinnen spazieren, werden trunken aufgelesen und von Anverwandten irgendwo in irgendwelchen Nebenrollen untergebracht. Johannes Hallervorden wirkt da sehr abgeklärt und sagt, dass er erst einmal sehen will, was das Leben so bringt. Als Kind war er schon bei Galas, mit Pullunder und Krawatte, und wenn er jetzt einen etwas altklugen Geist spielt, ist das vom echten Leben des Darstellers gar nicht so weit entfernt.

Seine Hauptrolle in der TV-Serie habe nichts mit seinem Vater zu tun, mit etwaiger Protektion, er sei eben in diesen Karteien junger Schauspieler, darum zum Casting eingeladen gewesen - und genommen worden. Entschieden habe er alles allein, aus dem Bauch heraus. Sein eigenes Ding, es gibt wohl nichts, was weiter von Dieter Hallervorden entfernt ist als eine Teenie-Serie. Johannes Hallervorden sagt: "Man muss als Schauspieler aufpassen, dass man nicht als Kopie eines Anderen auftritt." Er habe nichts dagegen, "der Sohn von Didi" zu sein, das sei er nun einmal, aber schlussendlich sei er auch ein Mensch für sich. Dafür, dass er nicht über seinen Vater reden will, redet Johannes Hallervorden doch ziemlich viel über seinen Vater.

Dem Tod läuft man nicht davon

Aber was ist mit der großen Langeweile, die vor dem Sterben kommt? Dieter Hallervorden tritt für "Sein letztes Rennen" im Kino an - und "Didi" braucht ihn nach diesem späten Karrierehöhepunkt jetzt keiner mehr zu nennen. Von Susan Vahabzadeh mehr...

Drei Jahre lang war Johannes Hallervorden an einer Berliner Kinder- und Jugendschauspielschule, stand mit 13 Jahren erstmals als Pirat vor der Kamera für die ZDF-Kinderreihe Terra Max, schreibt politisch-satirische Theaterstücke und will später das Schlossparktheater übernehmen. Die Jugendserie Binny rückt ihn wieder an sein tatsächliches Alter heran. Ein Segen, möchte man fast sagen.

Er ist kein Strebertyp, sondern einfach erstaunlich bis unheimlich klar für sein Alter. Fragt man ihn etwas, fragt er meist zurück. Mit dem Traum vom großen Theater hat Binny wenig zu tun, oder? Johannes Hallervorden ist zu höflich, um die Frage als Affront zu nehmen. Der Dreh habe ihm unglaublich Spaß gemacht, sagt er. Vielleicht mache er nun mehr Theater oder wieder Fernsehen, sicher aber erst: das Abitur. "Es ist doch ein Privileg, sich in meinem Alter noch nicht festlegen zu müssen, oder?"

Derzeit ist Johannes Hallervorden in der 11. Klasse, er belegt Leistungskurse in Politik und Französisch, was dann doch wieder viel mit seinem Vater zu tun hat. Der hat sich vor bald 30 Jahren eine Insel mit einem neugotischen Schloss vor der bretonischen Küste gekauft. Johannes ist in Frankreich geboren, dort zur Schule gegangen und erst vor fünf Jahren fest nach Deutschland gekommen. Er ist der Sohn Hallervordens aus dessen zweiter Ehe mit Elena Blume, hat zwei Halbgeschwister, Schauspieler ist aber nur Johannes geworden.

Dreh in Kreuzberg

Politik, sagt er, sei zu Hause immer ein Thema gewesen. Vor allem wohl auch, weil sein Vater eben nicht nur der Mann mit dem "Palim, Palim" und der Flasche Pommes ist, sondern vor allem ein politischer Mensch, der aus der DDR wegen der eingeschränkten Meinungsfreiheit 1958 nach West-Berlin floh. Die Geschichte, dass er mit anderen Regimekritikern ein Attentat auf SED-Parteichef Walter Ulbricht plante, eine Freundin ihn aber davon abhielt, habe er oft am Küchentisch gehört.

In der Bar bei den Wühlmäusen hängt ein Foto vom Brandenburger Tor, davor das Schild "Achtung, Sie verlassen jetzt West-Berlin", auf das jemand gesprüht hat: "Wie denn?" Johannes Hallervorden sagt, dass dieses Bild doch alles sage über die deutsch-deutsche Geschichte.

Zum Dreh in der Kreuzberger Schule ist eine Familie aus Dessau gekommen, den Setbesuch haben sie bei einem Preisausschreiben gewonnen, irgendwas mit Frischkäse, sagt die ältere Dame, die ihren Mann und ihre zwei Enkel mitgebracht hat. Eine Überraschung für die Mädchen sollte es sein, mal beim Fernsehdreh zuzugucken, dort sind es dann aber vor allem die Augen der Großeltern, die leuchten. Sie unterhalten sich mit Johannes Hallervorden über die Kulturlandschaft im Osten, die Theater, die kaputtgespart werden. Ob er vielleicht mit einer Leinentasche, die für den Erhalt des Theaters Dessau wirbt, posieren würde? Sein Vater komme doch gebürtig aus Dessau. Johannes Hallervorden lacht höflich, klar, können wir später machen.

Dann bauen sich alle zum Gruppenbild vor der Schule auf. Die Enkelinnen mit den Zahnspangen, die sich für Dessau und Didi so überhaupt nicht interessieren, stellen sich ganz dicht neben Johannes Hallervorden und blicken versonnen.