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"News of the World" unter Beschuss:Skandalzeitung ließ auch Anwälte der Abhör-Opfer überwachen

Schmutzige Details im britischen Abhörskandal: Das mittlerweile eingestellte Boulevardblatt "News of the World" soll Medienberichten zufolge Detektive nicht nur auf Privatpersonen, sondern auch auf deren Anwälte angesetzt haben. Kurz vor der Anhörung im Parlament gerät Murdoch-Sohn James somit weiter unter Druck.

Das britische Boulevardblatt News of the World hat im Rahmen seiner Abhöraktionen auch einen Privatdetektiv auf zwei Opferanwälte angesetzt.

"Einfach nur krank": Mark Lewis, Anwalt der Familie von Milly Dowler, wurde auch Opfer der Abhörpraktiken von News of the World.

(Foto: AFP)

Nach Informationen von BBC und Guardian filmte der ehemalige Polizist Derek Webb heimlich den Anwalt Mark Lewis, der unter anderem die Familie einer entführten und später ermordeten Schülerin vertrat, sowie Lewis' ehemalige Assistentin Charlotte Harris, damals Anwältin eines anderen Opfers.

Webb sollte dem Bericht zufolge nachweisen, dass die beiden eine Beziehung hatten und vertrauliche Informationen austauschten. Laut Guardian überlegte die Zeitung auch, wie sie Lewis davon abbringen könnte, weitere Opfer des Abhörskandals zu vertreten. Unter anderem habe sie versucht, einen ehemaligen Kunden des renommiertem Anwalts zu einer Klage gegen ihn zu bewegen.

Der Privatdetektiv soll auch Lewis' Frau und Tochter auf einer Shopping-Tour aufgelauert haben. "Meiner jüngsten Tochter zu folgen und auf Video aufzunehmen, ist einfach nur krank", empörte sich Lewis über die Enthüllungen, die er dringend aufzuklären wünscht.

Lewis und Harris unternahmen bereits mehrere gerichtliche Schritte gegen News International und vertraten zudem Gordon Taylor und Max Clifford, die ersten beiden Opfer, die das Unternehmen wegen dem Abhören ihrer Telefone verklagten.

Webb wurde als Privatdetektiv nach eigenen Angaben von dem Blatt Anfang 2010 auf die Angelegenheit angesetzt. Für News of the World arbeitete Webb bereits seit 2003 und soll in dieser Zeit sowohl Angehörige des Königshauses als auch Kabinettsmitglieder ausspioniert haben. Auch mit Clive Goodman, der im Januar 2007 verhaftet wurde, weil er Milly Dowler ausgespitzelt hatte, stand Webb den Angaben zufolge in Kontakt.

News International weist die Vorwürfe zurück. "Nachforschungen von News International haben dazu geführt, dass wir glauben, dass Mark Lewis und Charlotte Harris überwacht wurden. Auch wenn Überwachung nicht illegal ist, war es unter diesen Umständen deutlich unangebracht. Diese Maßnahmen wurden von keiner derzeitigen Führungskraft geduldet", wird ein Sprecher von News International zitiert.

Journalisten von News of the World hatten jahrelang Handymailboxen von Prominenten und von Angehörigen getöteter Soldaten und Kriminalitätsopfern abgehört. Der Skandal war bereits im Jahr 2006 ans Licht gekommen und weitete sich im Juli aus, als bekannt wurde, dass Journalisten des Blatts auch die Mailbox der entführten 13-jährigen Schülerin Milly Dowler geknackt hatten.

Die Affäre löste ein mediales Erdbeben aus und führte zur Einstellung der Zeitung, dem Rücktritt von Vertrauten des Medienmoguls Rupert Murdoch, ranghohen Polizeibeamten und eines Mitarbeiters von Premierminister David Cameron - Andy Coulson war früher Chefredakteur bei News of the World.

Murdochs Sohn James muss am Donnerstag in seiner Rolle als Chef von News of the World-Herausgeber News International erneut vor einem Parlamentsausschuss zu dem Skandal Stellung beziehen. Die Zeit, in der Lewis und Harris abgehört wurden, fällt in seine Amtszeit als Chef von News of the World.

© sueddeutsche.de/AFP/cag/pak/gba
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