Serie "The People v. O. J. Simpson" "Ich bin nicht schwarz, ich bin O.J."

Cuba Gooding Jr. (links) spielt den früheren Footballprofi, Courtney B. Vance dessen Verteidiger Johnnie Cochran.

(Foto: Byron Cohen/fx networks)

Egozentrische Anwälte, Rassismusdebatten und ein weltberühmter Kriminalfall: Eine hervorragende Serie über den Mordprozess gegen Ex-Footballstar O. J. Simpson kommt endlich nach Deutschland.

Von Karoline Meta Beisel

Der Mordprozess, der ihn weltberühmt gemacht hat, ist schon 22 Jahre her. Dennoch war der frühere Footballprofi und Schauspieler O. J. Simpson 2016 in den Medien wieder sehr präsent. Das lag an zwei herausragenden Fernsehproduktionen aus den USA, von denen eine von diesem Freitag an auch in Deutschland zu sehen ist. Dabei ist Simpson in der Dramaserie The People v. O. J. Simpson: American Crime Story noch nicht einmal die Hauptfigur.

Schöpfer Ryan Murphy, bislang eher für eskapistische Formate wie American Horror Story und die Teenie-Schmonzette Glee bekannt, leuchtet statt des Menschen den Strafprozess aus: Die Serie basiert auf einem Buch des New Yorker-Reporters Jeffrey Toobin, der das Verfahren begleitete.

Die Anwälte arbeiten häufig genug nicht zusammen, sondern gegeneinander

Im Mittelpunkt von The People v. O. J. Simpson stehen die Ankläger von damals - vor allem Sarah Paulson als Staatsanwältin Marcia Clark - und Simpsons Entourage aus Verteidigern und Beratern. Eigentlich sollen sie den "Juice", so sein Spitzname, gegen den Vorwurf des zweifachen Mordes verteidigen. Stattdessen arbeiten sie häufig genug nicht zusammen, sondern gegeneinander, genauso gut könnte die Serie Rob Shapiro v. Johnnie Cochran heißen. Verteidiger Shapiro, von John Travolta mit Mut zur Hässlichkeit gespielt, will vor allem immer auch sich selbst in ein gutes Licht setzen. Johnnie Cochran hingegen (Courtney B. Vance) will Simpson zum Opfer des allgegenwärtigen Rassismus in den USA stilisieren, auch wenn jener gerade nicht als schwarzer Mann wahrgenommen werden wollte: "Ich bin nicht schwarz, ich bin O. J.", soll Simpson schon zu seiner Zeit als aktiver Footballprofi gesagt haben, als andere afroamerikanische Sportler während der Olympischen Spiele 1968 gegen Diskriminierung protestierten; ganz ähnlich, wie es seit ein paar Wochen in den USA wieder geschieht, wenn Sportler bei der Nationalhymne die Faust in die Luft strecken oder sich hinsetzen.

In der Serie sagt Cuba Gooding Jr. diesen Satz. Wenn man an der ansonsten exzellenten Serie etwas bekritteln möchte, dann ist es dessen Version von O. J. Simpson. Richtig viel Saft hat Juice nämlich nicht: Der Mann, dessen langsame Flucht in einem weißen Ford Bronco Millionen am Fernseher verfolgten, ist hier nur ein aufbrausendes, unsicheres Männchen.

Warum O. J. Simpson die Menschen damals so faszinierte, erklärt die fast achtstündige Dokumentation O. J.: Made in America. In Deutschland war sie bislang noch nicht zu sehen. Das könnte sich aber ändern: Weil die Doku auch in ein paar US-Kinos gezeigt wurde, könnte O. J. im Februar das erste TV-Format werden, das einen Oscar gewinnt; unter den Dokumentationen gilt der Fünfteiler als Favorit. Vielleicht spendiert dann ja doch noch ein Sender ein paar Stunden Zeit für herausragendes Fernsehen.

The People v. O. J. Simpson: American Crime Story, freitags, 21 Uhr, Sky Atlantic.

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