Neue Frauenzeitschrift "Frei!" Die Botschaft: Alles wird gut

Philipp Jessen und seine Redaktionsleiterin Annette Utermark sagen, dass ihr Heft sich auch dadurch von der Konkurrenz unterscheide, dass über die Menschen im Heft positive Geschichten erzählt werden, "Constructive News". Heißt konkret: In Frei! werden die Verschütteten aus der Lawine gerettet. "Frei! ist offen und positiv", so Jessen. Botschaft: "Alles wird gut."

Experimente statt Chaos

Die Parole von den gefälligst guten Nachrichten gilt natürlich nicht nur für die Geschichten in Frei!, es gilt auch für die Geschichte von Frei!. G + J strengt sich an, positive Neuigkeiten aus dem Verlag zu erzeugen, mehr Geschichten vom mutigen Experiment (wie dem erfolgreichen Launch von Barbara), statt vom Chaos, von denen es zuletzt einige mehr gab.

Süddeutsche Zeitung Medien "Mit Schnappatmung geht man heute unter"
Gruner + Jahr-Chefin

"Mit Schnappatmung geht man heute unter"

Julia Jäkel erklärt, warum sie trotz ihres scharfen Sparkurses nicht knallhart ist und für Print eine lange Zukunft sieht.   Interview von Marc Beise und Claudia Tieschky

Beim Stern wurde 2014 Chefredakteur Dominik Wichmann entlassen, Gala-Chef Christian Krug übernahm. Seine Nachfolgerin Anne Meyer-Minnemann wird seit Kurzem von Stern-Herausgeber Andreas Petzold betreut: um ihr beim Relaunch beizustehen, so der Verlag zu Kress. Möglich, aufgefallen ist die Gala zuletzt aber mit journalistischen Flops wie der Story über einen topfitten David Bowie, der wenige Tage später starb.

Bei Neon, dem jungen Heft des Verlags, weigerten sich im Herbst 2013 die Chefredakteure, den Umzug der Redaktion von München nach Hamburg mitzumachen, 2015 entließ man ziemlich unerwartet ihren Nachfolger Oliver Stolle, um Nicole Zepter (The Germans) zur neuen Chefredakteurin zu machen, die - traut man dem Hamburger Flurfunk - ihrerseits schon wieder ziemlich umstritten sein soll; die Neon-Auflage ist im freien Fall.

Und natürlich noch die Geschichte von der 2014 ziemlich komplett entlassenen Textredaktion bei Brigitte, die in der aktuell teils sehr öffentlich geführten Debatte über den Umgang mit Scheinselbstständigkeit gern noch einmal nacherzählt wird.

"Gender ist bei uns im Verlag wirklich kein Thema"

Zeit also für gute Nachrichten, weshalb nun eben Philipp Jessen und Hans-Peter Junker beauftragte, den Markt der wöchentlichen Frauenmagazine zu analysieren und zu sehen, ob für Gruner + Jahr da vielleicht was zu holen sein könnte. Zu den guten Nachrichten über Frei! gehört auch, dass für den Titel eine eigenständige Redaktion fest angestellt wurde, mit befristeten Verträgen zwar, aber immerhin. Die letzten Neugründungen des Verlags zeichnen sich dadurch aus, dass sie quasi ohne zusätzlichen Personalaufwand von anderen Redaktionen mitgemacht werden.

Das gilt bei Frei! nur für die beiden Chefs von Stern.de und View, auf dem Foto der Redaktion in Heft 1 sitzen die einzigen beiden Herren in einem Halbkreis aus Frauen. Annette Utermark, die beim Gespräch im Henri-Nannen-Salon eher selten zu Wort kommt, sagt: "Gender ist bei uns im Verlag wirklich kein Thema, wir arbeiten sehr kollegial zusammen." Das mag sein, aber ganz wahr ist es vermutlich auch nicht, sonst würde die Dame aus der Presseabteilung Utermarks etwas schräge Rolle als Redaktionsleiterin unter den beiden Nebenjob-Chefredakteuren nicht schon vorab am Telefon mit dem mehrmaligen Hinweis aufhübschen, dass sie das Editorial schreibe.

In der ersten Ausgabe von Frei!, von der 900 000 Exemplare verschenkt werden, ist Maria Furtwängler die Botschafterin der guten Nachrichten ("Verliebt in mein Leben"), was insofern lustig ist, als Frau Furtwänglers Leben ja nicht unbedeutend mit dem Burda-Verlag zu tun hat, dem Frei! jetzt Konkurrenz macht. Von kommender Woche an werden 500 000 Stück für 1,90 Euro verkauft. Im Regal-Vergleich ist das ziemlich teuer. Aber es ist ja auch bio.