Netflix-Serie "Master of None" Zwei Inder sind einer zu viel

Casting via Skype: Schauspieler Dev (Aziz Ansari) kämpft um jede Rolle.

(Foto: K.C. Bailey/Netflix)

"Master of None" ist weder Schenkelklopfer-Sitcom noch Integrations-Comedy, sondern löst ernste Probleme mit klugem Humor.

Von Benedikt Frank

Zwei Inder in den Hauptrollen einer Sitcom? Dev erklärt die Randgruppen-Mathematik des US-Unterhaltungsbetriebs: "Die Schwarzen sind jetzt so weit, da gehen mittlerweile auch zwei. Aber schon drei wären einer zu viel." Denn dann wird eine normale Serie zur Schwarzen-Serie. Asiaten, Schwule? Dürfen nur alleine auftreten. "Aber es sind zwei Schwule in Will & Grace", sagt Devs Kollege Ravi. Wirklich? Die hat er dann wohl nicht gesehen, meint Dev. Wie fortschrittlich, schon in den Neunzigern. Glückwunsch an alle Schwulen!

Master of None ist keine typische Sitcom. Sie hetzt nicht den Pointen hinterher und spart sich die Lachkonserve. Sie erzählt entspannt, sodass es einige Folgen dauert, bis sie sich entfaltet und hängen bleibt. Und das obwohl ihr Hauptdarsteller Aziz Ansari (Parks and Recreation), der zudem Koproduzent, Drehbuchautor und Regisseur ist, sonst als Stand-up-Comedian eine ganz andere Geschwindigkeit vorlegt. Der indischstämmige Ansari verkörpert den Schauspieler Dev, der es zum Gesicht eines großen Werbespots gebracht hat, aber an der Kinoleinwand scheitert.

Arnold, der Quotenweiße

Der Schauplatz ist - wie so oft - New York City. Aber es ist ein anderes New York als das aus Sex and the City oder How I Met Your Mother. Devs Freundeskreis ist vielfältiger als der Carrie Bradshaws und Ted Mosbys, obwohl sich die Typen in ihm gleichen. Da ist Brian, ein Frauenheld und Sohn taiwanesischer Eltern. Da ist Denise, die Stimme der Vernunft, eine schwarze Lesbe. Und dann ist da noch Arnold, der Kindskopf, der Quotenweiße, der die Rolle des albernen Sidekicks übernimmt, die sonst so oft Schwarzen zukommt.

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Trotzdem ist Master of None auch keine typische Integrations-Komödie. Bereits die Eltern von Dev haben sich ihren Platz in der amerikanischen Gesellschaft erkämpft. Der grobe ausschließende Rassismus ist Vergangenheit. Doch Stereotype halten sich hartnäckig. Dev beschäftigt etwa, ob er für eine Rolle einen klischeehaften indischen Akzent aufsetzen soll.

Ernster Alltag in klugem Humor

Solche Dinge werden deutlich thematisiert, wirken aber durch Ansaris lässigen Charme nicht gezwungen. Es dreht sich nicht immer alles um die Ethnien, Dev lebt bequem wie alle etwa 30-jährigen TV-New-Yorker. Ihn kümmert weniger die Miete als Beziehungen und die Frage, wo man im Leben steht. Wenn beim Sex mit dem Tinder-Date das Kondom platzt, wird erst mal gegoogelt, ob ohne Ejakulation schon eine Schwangerschaft droht.

Jede Folge hat eine Überschrift, ein eigenes Thema. Von den Gedanken an eigene Kinder geht es zu den Eltern und später auch zu den vernachlässigten Senioren. In einer Folge erzählen Frauen Dev von ihren Erfahrungen mit aufdringlichen Männern und der Diskriminierung am Filmset, worauf dieser den Feministen in sich entdeckt.

Meistens ist Master of None dennoch eine relativ konventionelle, aber gut ausgespielte romantische Komödie. Die ersten Verabredungen scheitern grandios. Dann finden sich Dev und Rachel. Die Komikerin Noël Wells und Aziz Ansari sind eingespielt wie ein altes Ehepaar. Ihr Wort-Pingpong ist so urkomisch wie herzlich. Fast lässt die verliebte Albernheit die schweren Themen, die immer wieder aufkommen, vergessen. Bis Ansari bei der nächsten Kleinigkeit ganz beiläufig wie ein Woody Allen auch ernstere Alltagsprobleme in klugen Humor verwandelt.

Master of None, bei Netflix.