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Nazan Eckes: "Let's dance":"Ich bin urkonservativ"

Sich selbst hat Nazan Eckes perfekt unter Kontrolle - nun soll sie Let's Dance für RTL zu alten Erfolgen führen.

Wenn Nazan Eckes spricht, dann hört sie so schnell nicht auf. Sie formuliert Sätze, die vordergründig nach Klarheit klingen. Sie sagt: "Solange ich Spaß an allem habe und authentisch bleibe bei dem, was ich tue, ist es okay." Was man im Gespräch eben so von sich gibt, wenn man seit zehn Jahren bei einem erfolgreichen Privatsender angestellt ist und sehr genau weiß, wie man sich in dessen Sinne zu äußern hat.

Nazan Eckes kann so reden, dass sie wohl auch als Bankberaterin eine gute Figur abgeben würde. Es dauert beim Interview glatte 18 Minuten, bis die Moderatorin sich zum ersten Mal verspricht. Bis dahin hat sie unfallfrei geplauscht und gut ausgesehen, eine Kombination, die bei RTL nicht selbstverständlich ist.

Genau das erklärt wohl auch, warum man Nazan Eckes immer häufiger auf dem Bildschirm erlebt. Sie hat den Musikpreis Echo für RTL angesagt, Zaubertricks erklärt, diversen hauseigenen Magazinen ihr Gesicht geliehen und soll während der Fußball-WM das Außenreporterteam des Senders verstärken. Vorher aber wird sie von diesem Freitag an gemeinsam mit Daniel Hartwich die dritte Auflage von Let's Dance moderieren.

Dass sie den RTL-Zappelwettbewerb für bekannte Verhaltensauffällige auch nach dem Abgang von Hape Kerkeling weiter moderiert, weist die neue Hauptausrichtung für die Frau, die 1995 nach dem Abitur mal als Praktikantin bei Viva angefangen hat und sich vier Jahre später entscheiden musste, ob sie Politik, Geschichte und Sozialwissenschaften studiert oder bei RTL Nord die Wetterkarte erklärt.

"Ich merke, dass da gerade ein Wandel stattfindet. Ich glaube, dass ich zukünftig verstärkt Unterhaltung machen möchte", sagt sie, und man muss schon denken wie ein Kommerzkanalarbeiter, um von ihr moderierte Sendungen wie Punkt 12, Exclusiv und Explosiv nicht zur Unterhaltung zu rechnen. So etwas gilt bei RTL als Information.

"Eine gewisse Kühle"

Dass sie den Medienjob dem Studium vorgezogen hat, verbucht die gebürtige Kölnerin heute noch als richtige Entscheidung. "Ich habe den abenteuerlicheren Weg gewählt und bereue es bis heute nicht", sagt sie. Wenn man Lebensabschnitte als Abenteuer versteht, fällt es zudem nicht so sehr auf, wie die Jahre ins Land gehen. "Mir kommt es vor, als hätte ich erst gestern bei RTL angefangen, aber ich bin jetzt auch schon 33."

Lauscht man der Tochter türkischer Einwanderer, wird man das Gefühl nicht los, dass sie zwar prima funktioniert, dass ihr aber ein wenig die Wärme, die echte Verbindlichkeit fehlen. Fragt man dann, ob ihr schon mal jemand mitgeteilt habe, dass sie kühl wirke, gibt sie sich erstaunt. "Sie sind der Erste, der das sagt. Ich höre sonst immer das Gegenteil", kontert sie und macht als kompetente Propagandistin in eigener Sache flugs aus der für sie neuen Not eine Tugend. "Ich empfinde es aber auch nicht als unangenehm, wenn ich eine gewisse Kühle vermittle."