Musik-TV-Moderatoren – Charlotte Roche: Die Provokateuse

Wer war sie?

Charlotte Roche war schon immer ein bisschen schmutzig - das aber aus edlen Motiven. Als die gebürtige Britin von 1998 bis 2004 Fast Forward erst auf Viva Zwei und dann auf Viva moderierte, fiel sie nicht nur durch ihre Kleinmädchenstimme, diverse Piercings, schräge Klamotten und ihre besondere Art auf, mit Musikern zu sprechen wie am WG-Tisch ihrer Hippie-Mutter - für Provokation sorgte sie mit Körperlichkeiten: In ihrer Show ließ sie sich von Nina Hagen das Oberteil ausziehen, um im BH ihre unrasierten Achselhöhlen zu zeigen. Wüste Beschimpfungen meist weiblicher Empörter waren die Folge - was Charlotte Roche nur befeuerte, das Thema zu vertiefen: Nach kleineren Fernsehprojekten, die im Sande verliefen, machte sie sich ans Schreiben: Ihr Erstling Feuchtgebiete wurde 2008 mit mehr als einer Million verkauften Exemplaren zum Bestseller. Wir wissen: Es geht darin um Intimrasur, weibliche Selbstbefriedigung und Analverkehr - aber Roche ging es nach eigenen Angaben um mehr. Sie wolle gegen das unnatürlich sterile Schönheitsideal vorgehen, das Frauen heutzutage aufgedrängt werde, parlierte Roche in unzähligen Talkshows.

Was wurde aus ihr?

2009 moderierte sie als Nachfolgerin der Literaturkritikerin Amelie Fried zusammen mit Giovanni di Lorenzo die Talkshow 3 nach 9 - kurz darauf trennte man sich in beiderseitigem Einvernehmen. Charlotte Roche sagte einst in einer Talkshow, dass sie seit ihrem Weggang von Viva ständig nur mit Fernsehsendern kämpfe, um die Freiheiten durchzusetzen, die man ihr damals gewährt habe. Inzwischen konzentriert sich die 33-jährige Grimme-Preisträgerin aufs Schreiben und plant für August 2011 die Herausgabe eines neuen Buches: Schoßgebete soll sich um "eines der letzten großen Tabuthemen unserer Gesellschaft" drehen: Sex in der Ehe.

Bild: DPA/DPAWEB 15. Juni 2011, 11:392011-06-15 11:39:14 © sueddeutsche.de/rus/beitz/bgr/pak