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Monica Lierhaus: ARD-Kampagne:Schweigen und lächeln

Bei der Vorstellung ihrer Kampagne für "Platz an der Sonne" lächelte Monica Lierhaus nur vom Plakat. Sind 450.000 Euro nicht zu viel für jemanden, der sich "für den guten Zweck" engagiert und einräumt, noch lange nicht voll belastbar zu sein?

Ihren ersten Termin für die Lotterie Ein Platz an der Sonne hat Monica Lierhaus tapfer durchgestanden. Sie lächelte eineinhalb Stunden am Stück und zuckte nicht mit der Wimper. Lierhaus, 40, war der Star bei der Vorstellung der neuen Kampagne für die ARD-Fernsehlotterie - auch wenn sie gar nicht da war. Nur multimedial grüßte die von einer schweren Hirnschädigung genesende Moderatorin bei der Pressekonferenz: als Plakatmotiv und im Imagefilm.

Lierhaus neue Botschafterin der ARD Fernsehlotterie

Ein Gruß vom Plakat und eine Videobotschaft: Monica Lierhaus, seit ein paar Wochen wieder in der Öffentlichkeit präsent, erschien nicht zum Auftakt ihrer Kampagne für die ARD-Fernsehlotterie.

(Foto: dpa)

Dass sie gleich den ersten, seit Wochen angekündigten Termin für ihren neuen Arbeitgeber nicht persönlich wahrnehmen konnte, weil nach Angaben des Lotterie-Geschäftsführers Christian Kipper langfristige Therapiepläne im Weg gestanden hätten, darf man schon unglücklich nennen. Schließlich ist eine heftige Diskussion darüber im Gange, was Lierhaus als "Botschafterin" für die Sozialtombola überhaupt leisten kann. Denn für die an sich ehrenwerte Tätigkeit erhält sie ein hohes Honorar.

450.000 Euro Jahresgage stehen im Raum, eine Zahl, deren ständige Wiederholung unkommentiert geduldet wird. Ist jemand, der sich "für den guten Zweck" engagiert und zudem einräumt, noch lange nicht wieder voll belastbar zu sein, damit nicht überbezahlt? "Ihre Tätigkeit ist so umfassend, dass sie dafür ein Honorar verdient", sagte Geschäftsführer Kipper.

Die noch schwer gezeichnete Moderatorin, einst als kongeniale Interviewerin des Fußball-Bundestrainers Jogi Löw und sachkundige Sportschau-Moderatorin das weibliche Gesicht des ARD-Sports, war am 5. Februar bei der Verleihung der Goldenen Kamera plötzlich wieder in der Öffentlichkeit aufgetaucht. Nur enge Freunde wussten wohl, dass sie sich von dem monatelangen Koma, in das sie Anfang 2009 nach einer Hirn-OP gefallen war, soweit erholt hatte, dass sie wieder gehen und sprechen konnte. Die Reaktionen auf den ZDF-Auftritt schwankten zwischen Begeisterung und Entsetzen. Als kurz darauf das bezahlte Engagement für die TV-Lotterie bekannt wurde, nahm die Begeisterung ab.

"Das ist meine neue Lebensaufgabe", sagt Lierhaus in dem Einspielfilm, mit dem die Lotterie-Kampagne ("Ich weiß, wie wichtig Hilfe ist") präsentiert wurde. Dass die Losverkäufe zuletzt zurückgingen, dass die Lotterie-Macher sich Fragen nach der moralischen Qualität ihrer Werbemaßnahmen stellen mussten, dass sie in den Verdacht gerieten, Lierhaus nicht engagiert zu haben, obwohl sie krank ist, sondern weil sie krank ist: Die Dame auf dem Plakat lächelte das alles schweigend weg.

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