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MDR:"Wir haben hier Gefühle verletzt"

Screenshot: Twitter

Ein Tweet aus der Redaktion der Rundfunkanstalt macht eine Radiodiskussion über diskriminierende Sprache zunichte. Nach dem Shitstorm sagen zwei Teilnehmer ab. Der Sender entschuldigt sich.

"Darf man heute noch ,Neger' sagen? Warum ist politische Korrektheit zur Kampfzone geworden? Darüber sprechen wir heute Abend (20 Uhr) mit @FraukePetry, @kerstinkoeditz, @ZDF-Mann Peter Hahne und Robert Feustel von der @UniLeipzig." So kündigte der MDR Dienstagnachmittag auf Twitter eine Diskussion des Sachsenradio an. Und damit war eigentlich schon alles vorbei. Denn zu der Sendung "über die diskriminierende Wirkung von Sprache" - wie der MDR das Thema nachträglich verdeutlichte - kam es dann nicht mehr.

Nach dem Tweet brach ein Shitstorm los, die Linken-Politikerin Kerstin Köditz und der Soziologe Robert Feustel sagten ihre Teilnahme ab - das Thema sei in eine Richtung gedreht worden, die völlig indiskutabel sei - und daraufhin der MDR die ganze Sendung. Eine ausgewogene Gästerunde sei nicht mehr gegeben - dabei war ein Hauptkritikpunkt schon zuvor die Gästeauswahl. Per Twitter entschuldigte sich der Sender für den Tweet. Frauke Petry meinte, das alles dokumentiere den "Status der Diskussionsfähigkeit". Der Online-Chef von MDR Sachsen, Gunter Neumann, sagte im Radio, man habe in dem Tweet eine starke Zuspitzung formuliert - als rhetorische Frage. Die Diskussion habe aber gezeigt, "wir haben hier Gefühle verletzt". Es sei schade, dass man das Ziel, für die Sendung zu werben, nicht erreicht habe.

Die ursprüngliche Sendungsidee ist klar; nach der Aufregung um Pegida und den Ausgang der Bundestagswahl bemüht sich die Politik in Sachsen um Dialog. Zuhören, verstehen, diskutieren - ohne sich über jedes fehl geleitete Wort zu echauffieren, das ist auch die Strategie des MDR. Schon im Januar 2016, einer Zeit bevor Pegida endgültig in die rechtsextreme Ecke abdriftete, lud der Chefreporter des Senders, Danko Handrick, zwei Pegida-Anhänger in die Redaktion ein. Rentner, die montags in einem "Lügenpresse"-brüllenden Mob standen, fanden sich in der morgendlichen Themenkonferenz von MDR-Aktuell wieder. In dem entsprechenden Fernsehbeitrag wurden die Männer nicht vorgeführt, sondern ihre Fragen nach Ausgewogenheit ernst genommen. Der Sender ermöglichte auch konfrontative Begegnungen. Auch bei der nun abgesagten Sendung sollten widersprüchliche Meinungen aufeinander treffen. Kerstin Köditz war als Linken-Politikerin als Gegenpart für Frauke Petry und Peter Hahne gedacht. Dass es knallen würde, war klar - und doch hätte sich das Format lohnen können. Ein neuer Sendetermin wird jetzt gesucht.