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MDR-Intendant Reiter:Der Söldner geht

Udo Reiter kam aus der Münchner Bussi-Gesellschaft und wurde im Osten Quotenkönig. Nun will der MDR-Chef gehen. Die Begründung: Er wolle nicht "als ausgestopfter Dinosaurier" im Amt bleiben. Doch hat sein Rückzug auch etwas mit dem Kika-Skandal zu tun?

Die große Fernseh-Gala, die zum 20. Jubiläum des Mitteldeutschen Rundfunks (MDR) geplant war, hatte Udo Reiter schon vor Wochen abgesagt. "Das passt jetzt nicht in die Landschaft", entschied der Intendant kurzerhand, als sich die Nachrichten über den schweren Betrugsfall beim Kindersender Kika überschlugen. Mehr als acht Millionen Euro sind in dem in Erfurt beheimateten Kika, den der MDR federführend für die ARD betreibt, veruntreut worden. Wegen des Skandals ließ Reiter im Frühjahr zwei Mitarbeitern kündigen, leitende Fernsehgewaltige wurden ermahnt oder abgemahnt. Und nun hat der Intendant selbst seinen Abschied erklärt: Er will von der "Ausstiegsklausel" in seinem Vertrag Gebrauch machen und die Leitung des MDR aufgeben, sobald ein Nachfolger gefunden ist, teilte Reiter den zuständigen Gremien mit.

Scheidender MDR-Intendant Reiter sieht Rundfunk vor tiefgreifenden Veraenderungen

Udo Reiter will die Leitung des MDR aufgeben. Mit dem Kika-Skandal habe das aber nichts zu tun, sagt er.

(Foto: dapd)

Dass sein plötzlicher Rückzug etwas mit dem Kika-Skandal zu tun haben könnte, weist er allerdings weit von sich: Eher im Gegenteil, sagt Reiter, "ohne diese Sache wäre ich schon früher gegangen". Doch er habe abwarten wollen, bis der Skandal "im Großen und Ganzen bereinigt ist". Als Dienstältester unter den Intendanten der öffentlich-rechtlichen Sender will der heute 67-Jährige aber schon seit einiger Zeit über Rückzug nachgedacht haben: "Die alten Weggefährten sind weg, da muss ich nicht als letzter ausgestopfter Dinosaurier in der ARD verbleiben", sagt Reiter. Auch lebe er seit 45 Jahren mit einem Rollstuhl, an den er wegen eines Unfalls gefesselt ist - "das hat gesundheitliche Spuren hinterlassen". Regulär wäre Reiter noch bis 2015 im Amt, nun will er zum Jahresende aufhören.

Etwas wehmütig wirkt der Intendant aber schon in seinem weitläufigen Amtszimmer, das einst der Festsaal der Leipziger Fleischbörse war. Ein prachtvoller Kronleuchter hängt unter der stuckverzierten Decke, in den Teppich ist ein grauweißes Muster gewebt, das den Boden wie marmoriert wirken lässt; auf einem Sideboard hinter dem Schreibtisch sieht man eine kleine Figur zwischen Aktenbergen hervorschauen - es ist ein goldener Reiter.

Bald zwei Stunden hat Udo Reiter schon vom MDR erzählt, von jenen wilden Aufbaujahren, als es nicht mal Telefone gab und die Mitarbeiter auf Luftmatratzen im Büro schliefen; von den Erfolgen als Quotenkönig der Dritten Programme und von den kleinen und größeren Skandalen. "Wenn der MDR eine Frau wäre", sagt Reiter plötzlich und beugt sich in seinem Rollstuhl nach vorn - "es wäre die Liebe meines Lebens gewesen."

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