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Lieblingsserie: Prison Break:Korrupte Wachen, verschlagene Mafiabosse

So bescheuert und konstruiert die Rahmenhandlung klingen mag, die Serie ist extrem sehenswert. Schauerlich-faszinierend wird der Alltag in einem amerikanischen Gefängnis dargestellt: Korrupte Wachen, verschlagene Mafiabosse, homosexuelle Psychopathen und arme Schlucker in einer Horrorwelt zusammengepfercht. Der nächste Angriff, die nächste Schlägerei ist immer nur eine falsche Geste entfernt. Alles wird getauscht: Golduhren gegen Pillen, gutes Essen gegen Verrat, Weiterleben gegen Sklavendienste.

Scofields nächster Schachzug

Das fesselt schon deshalb, weil die Serie in einem ausgedienten US-Gefängnis gedreht wurde und das Grauen damit eine realistische Kulisse bekommt, die abgründige Dramen geradezu fordert. Zudem werden alle tragenden Rollen so überzeugend krass gespielt, dass man ganz froh ist um die Gefängnismauern und Stacheldraht drumrum.

Besonders wird die Serie aber gerade wegen der Brechung dieser Hölle auf Erden. Hauptfigur Michael Scofield (gespielt von Wentworth Miller) ist nicht nur ein guter Mensch, der seinen Bruder vor großem Unrecht retten will. Er setzt, einem Schachspiel gleich, Intelligenz und gekonnte Improvisation, Manipulation und Intrige gegen die brutalen Mechanismen im Gefängnis. Meisterhaft und zielsicher spielt er auf dieser Klaviatur und schreckt nicht davor zurück, Vertrauen gezielt zu missbrauchen. So mischt sich in die ständig präsente Spannung ein Rätselraten, mit welchem Schachzug sich Scofield nun wieder aus einer scheinbar ausweglosen Situation befreien kann und wer dafür dann schlussendlich büßen muss.

Weil es wirklich alles andere als klar ist, ob der Ausbruch gelingt, ob Scofields Bruder Lincoln Burrows (gespielt von Dominic Purcell) seinem Todesurteil entgehen kann und wie es "draußen" weitergehen soll, ist Prison Break zumindest die 22 Folgen der ersten Staffel großes Kino. Gegen Ende der zweiten Staffel steigt der "Ach komm"-Faktor dann leider wieder deutlich an, die Handlung zerfasert. Deshalb hat der Autor dieses Textes die dritte Staffel noch im Regal und weiß noch nicht, ob er die vierte und letzte Staffel sehen möchte.

© sueddeutsche.de/berr/cat
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