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Krise der Regionalpresse:"Ich bleibe Optimist"

Wie, wann und ob der Trend zu stoppen ist, das weiß Heinen ebenso wenig wie Frank Mangelsdorf, der Chefredakteur der Märkischen Oderzeitung. Mangelsdorf hat seine journalistische Karriere noch zu DDR-Zeiten begonnen, Umbrüche und scheinbar ausweglose Situationen ist er gewohnt. Er ist kein Mensch, der zur Larmoyanz neigt. Über sich und seinen Beruf sagt er: "Ich bleibe Optimist." Als er vor neun Jahren in Frankfurt an der Oder anfing, habe dort noch eine "Art Grundresignation" geherrscht, erinnert er sich. "Die Stimmung hat sich mittlerweile wirklich geändert." Die Stadt an der polnischen Grenze ist größtenteils saniert, auch mit der Wirtschaft geht es inzwischen aufwärts. Und mittendrin die MOZ-Zentrale, an einem romantischen Park gelegen.

Es könnte ein Traumjob für Mangelsdorf sein, wäre da nicht diese chronische Schwindsucht: In der Region geht die Bevölkerung zurück, Leistungsträger wandern ab - und damit sinkt auch die Zahl der potenziellen Leser. Aber nicht nur das: Noch vor ein paar Jahren kündigten Abonnenten, weil sie sich die Zeitung von Hartz IV nicht leisten konnten. Inzwischen aber sterben sie einfach weg. Doch junge Leser wachsen nicht nach.

Mangelsdorf und seine Mitarbeiter stemmen sich mit aller Macht gegen diese Entwicklung. Sie heben Kinder- und Jugendseiten ins Blatt, bei Schulbesuchen werben sie fürs Lesen - und stellen fest: Nicht nur den Jugendlichen ist das Medium Zeitung ungefähr so fremd wie ein Plattenspieler, auch viele Lehrer haben sich davon längst verabschiedet. "Erschreckend" findet das Mangelsdorf und doziert wie Ministerpräsident Platzeck: "Wo gelesen wird, wächst das Verständnis für Demokratie."

Noch wird gelesen, und deshalb produziert die MOZ im östlichen Brandenburg einen Mantelteil und elf Lokalausgaben. Anfang des Jahres übernahm das Unternehmen sogar vier Titel von der Ippen-Gruppe. Vom Fußballspiel zwischen Schönow und Britz bis hin zur geplanten Straßenbahn über die Brücke nach Polen - der MOZ entgeht in ihrem Verbreitungsgebiet kaum etwas. In vielen Dörfern, in denen Kneipen und Geschäfte zugemacht haben, sei die MOZ die einzige Nabelschnur zur Welt, sagt Mangelsdorf und zählt auf, was die Zeitung alles unternimmt, um selbst in der Öffentlichkeit präsent zu bleiben: Die Märkische Oderzeitung hat die Lokalberichterstattung im Berliner Umland verstärkt, sie moderiert Diskussionen, veranstaltet Fahrradtouren für Leser, gibt hochwertige Bücher zur Heimatgeschichte heraus. Als das Land Brandenburg vor einigen Jahren den Kunstpreis strich, sprang die MOZ ein und verleiht ihn seitdem in Eigenregie. Im Kampf um ihre Kundschaft nutzt die MOZ das ganze Arsenal des Redaktionsmarketings - wie viele andere Zeitungen in Deutschland auch.

Doch was bringt das? Geschäftsführer Almert glaubt den Erfolg am rechten Rand der Abwärtskurve zu erkennen: Sie verläuft dort inzwischen flacher als in den Jahren zuvor. "Dahinter steckt viel Kleinarbeit", sagt Almert. "Die Märkische Oderzeitung ist die Zeitung mit dem geringsten Auflagenrückgang in Ostdeutschland." Ein jährlicher Schwund von weniger als zwei Prozent ist hier fast schon ein Lichtblick.

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