bedeckt München 23°

Kika-Affäre weitet sich aus:Im Schatten des Skandals

Kaum ist in der Kika-Affäre das Urteil gegen Herstellungsleiter Marco. K. gesprochen, schon kommen neue Unterschlagungen ans Licht. Nicht nur, dass der Schuldige diverse Trittbrettfahrer hatte, es geht auch um mangelnde Kontrollmechanismen. Der Betrugsfall ist längst zur Krise des MDR geworden.

Vier Prozesstage lang befasste sich das Erfurter Landgericht mit dem Betrugsskandal in dem von ARD und ZDF gemeinsam betriebenen Kinderkanal Kika. Dann fällten die Richter ein vernichtendes Urteil, das nicht nur den Angeklagten empfindlich traf, sondern vor allem auch den Mitteldeutschen Rundfunk (MDR): Bereits "aus den nackten Daten" ergebe sich, befand der Vorsitzende Richter lapidar, dass es beim MDR "keine effektiven Kontrollen gab".

Ki.Ka-Betrugsprozess beginnt in Erfurt

Der ehemalige Kika-Herstellungsleiter vor dem Erfurter Landgericht: Der Betrugsfall nimmt größere Ausmaße an als erwartet.

(Foto: dpa)

Gegen das Urteil, demzufolge der einstige Kika-Herstellungsleiter Marco K. eine Haftstrafe von fünf Jahren und drei Monaten absolvieren soll, haben dessen Verteidiger an diesem Montag Revision eingelegt. Und auch für den MDR ist noch lange kein Ende abzusehen in diesem wohl größten Betrugsskandal in der Geschichte des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Denn die Akten im Erfurter Landgericht waren kaum geschlossen, da wurden schon wieder neue Betrugsmeldungen über den Kinderkanal bekannt.

Zwischenzeitlich hatte die Staatsanwaltschaft ein weiteres Ermittlungsverfahren gegen Marco K. eröffnet, in welches auch weitere Kika-Mitarbeiter verwickelt sein sollen. Und so waren, noch während der Prozess lief, Ende Juni klammheimlich neue Durchsuchungen bei dem Kindersender und in Erfurter Wohnungen durchgeführt worden. Wieder geht es bei den Ermittlungen um Scheinrechnungen für nicht erbrachte Leistungen und wieder ist viel Geld im Spiel. Diesmal spricht die Staatsanwaltschaft davon, dass etwa eine halbe Million Euro veruntreut wurde.

Angesichts der bislang bekannten rund 8,2 Millionen Euro, die Marco K. im Laufe von knapp zehn Jahren veruntreut haben soll, könnten die neu entdeckten Unterschlagungen geradezu wie "peanuts" anmuten. Tatsächlich offenbaren sie jedoch, dass der Betrugsfall beim Kika weit größere Ausmaße hatte, als bislang angenommen - nicht nur was die Anzahl der Beteiligten betrifft, sondern vor allem auch, was die offenbar vorhandenen Betrugsmöglichkeiten in dem vom MDR federführend betriebenen Kindersender anbelangt.

Bislang ging man davon aus, dass Marco K. seine mit der Berliner Koppfilm GmbH erstellten Scheinrechnungen beim Kika weitgehend allein eingefädelt hatte. Nun wird hingegen klar, dass der ehemalige Herstellungsleiter beim Kika offensichtlich noch allerlei Trittbrettfahrer hatte, die vermutlich sein Spiel durchschaut hatten und so ebenfalls begannen, in die eigene Tasche zu wirtschaften. Sowohl Daniel H., ein freier Mitarbeiter des Kika, der formell als "Finanz-Controller" in der Herstellungsleitung tätig war, als auch Ronny D., ein weiterer freier Mitarbeiter beim Kika, sollen mit eigens gegründeten Scheinfirmen bei dem Kindersender Geld abgezweigt haben. Allein Daniel H., der dem einstigen Herstellungsleiter aufs Engste verbunden war - er reiste noch kurz vor dessen Verhaftung mit ihm nach Las Vegas - soll auf diese Weise etwa 160.000 Euro für sich "erwirtschaftet" haben.

Insgesamt laufen derzeit noch sechs Ermittlungsverfahren gegen entlasene beziehungsweise noch beschäftigte Kika-Mitarbeiter. Darüber hinaus laufen gegen sieben Geschäftsführer von Firmen Ermittlungen, die ihren Sitz in Berlin, Erfurt und Baden-Württemberg haben. Aber auch die Zeugenaussagen im Prozess gegen Marco K. haben erkennen lassen, dass es mit der administrativen Ordnung wie auch den entsprechenden Kontrollen sowohl beim Kika als auch beim MDR nicht allzu weit her gewesen sein kann.

  • Themen in diesem Artikel: