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Kerner verabschiedet sich von "Kerner":Die Sendung mit dem Johannes

Johannes B. Kerner gibt seine Plauder-Runde bei Sat.1 auf, am Donnerstag kernerte er zum letzten Mal regulär. Dass sein Abschied von der Talk-Bühne unfallfrei blieb, verdankte er vor allem fünf Kindern. Prädestiniert ihn seine gezeigte Familientauglichkeit womöglich für eine vakante Stelle im ZDF?

Liebe Kinder, das ist der Kerner: Eure Oma kennt den bestimmt noch aus dem Fernsehen. Früher hat der Kerner bei dem Sender getalkt, der über 70-Jährige in den Schlaf lullt, also beim Zett-dee-eff. Doch dann kaufte ihn der Sender mit dem Bällchen im Logo ein und der Kerner verschwand von Omas Bildschirm.

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Johannes B. Kerner beim Deutschen Fernsehpreis 2009. Der Moderator gibt sein Magazin "Kerner" beim Sender Sat.1 auf.

(Foto: dapd)

Hat kaum einer gemerkt, nur der Sender mit dem Bällchen. Nach zweieinhalb Jahren hat der jetzt aber gesagt, verdammt, Kerner, so geht das nicht weiter. Niemand guckt die Sendung mit dem Johannes, nicht mal die Omas. Und tschüss.

Gestern war es soweit. Kerner kernerte zum letzten Mal regulär, bevor er sich am kommenden Donnerstag mit dem Jahresrückblick 2011 vorläufig verabschiedet. Im Studio saßen diesmal keine Opfer von Versicherungsbetrügern oder Stalkern, sondern, Kinder. Fünf aufgeweckte Jungs und Mädchen zwischen zehn und zwölf Jahren.

Es waren dankbare Gäste für einen Moderator, der mit seinem Magazin auch nach mehr als zwei Jahren immer noch orientierungslos in der Zone zwischen Akte - Reporter kämpfen für Sie (Sat.1) und Stern TV (RTL) lavierte. Bevor er sich jetzt auf ein Dasein als gut bezahlter, aber unterbeschäftiger Sat.1.-Mann zurückzieht, wollte er es noch mal allen beweisen.

Eine Nummer, die immer zieht

David, Joel, Helen, Jadea und Aurelia sollten ihm dabei helfen. Fünf Kinder, die sagen, was sie denken. Im Fernsehen, das weiß Kerner, zieht so eine Nummer immer.

Es entbehrte nicht der Ironie, dass ausgerechnet die Kinder zeigten, woran es Kerner die ganze Zeit gemangelt hat. Da wurde nicht drumherum geredet oder herumgeeiert. Da wurde Klartext geredet.

Zum Beispiel über das von jedem Aktualitätsdruck befreite Thema Glück. Darüber sprachen die Kinder mit einem Gast, der es mit Table-Dance-Bars zum mehrfachen Millionär mit gekauftem Adelstitel gebracht hat: Marcus Eberhard Edward Prinz von Anhalt, Herzog von Sachsen und Westfalen, Graf von Askanien.

Sechs Prachtvillen, 23 Nobelkarossen und eine nichteheliche Tochter, die er einmal die Woche sieht. Die Kinder konnte der Bordellbesitzer mit dieser Bilanz nicht beeindrucken. "Warum trägst du einen Gürtel für 40.000 Euro?", fragte ihn etwa David, zwölf, Chefredakteur einer kleinen, aber ambitionierten Zeitung mit dem Titel World Times. "Ein Gürtel von C&A würde doch auch reichen."

Geld alleine mache auch nicht glücklich, befanden die Kinder. Und fragten den "Prinzen", ob er sich in seinem 1100-Quadratmeter großen Palazzo Prozzo nicht einsam fühle. "Nee", konterte der Bordellchef da haifischgrinsend, "ich habe so viele Freundinnen."

Wie er zu seinem Reichtum gekommen ist, fragten die Kinder nicht. Diese Sendung blieb jugendfrei und semi-seriös. Sogar etwas lernen konnte man dabei - zum Beispiel, dass Deutschland mit mehr als zwei Billionen Euro in der Kreide steht.

Um den Kindern das Ausmaß der Schuldenkrise zu verdeutlichen, zauberte der Johannes eine Grafik aus dem Hut. Sie zeigte die Münchener Allianz-Arena, beinahe bis zum Rand mit Euro-Münzen gefüllt.

"Das ist ganz schön viel Geld", erklärte Kerner, und für einen Moment musste man überlegen, wo man diesen Satz schon einmal gehört hatte. Bei Kai Pflaume, Frank Plasberg, Eckart von Hirschhausen oder bei einem der anderen Moderatoren, die alle den Kinderversteher in sich entdeckt haben?

Der Euro oder Kerner?

Es schien, als lote der Moderator in dieser letzten Sendung schon mal aus, wo er sich künftig positionieren könne, wenn ihm bei Sat.1 die Decke auf den Kopf fällt, so ganz ohne sein Magazin und ohne die Champions League. Wohin die Reise auch gehen könnte, ließ der Besuch von Katja Keßler erahnen, vierfache Mutter und Gattin des Bild-Chefredakteurs.

Wird Kerner vielleicht künftig Kolumnist bei der Bild? Oder ist es etwa doch wahr, was man sich erzählt. Dass er nämlich schon wieder beim ZDF angeklopft hat, jetzt, wo dort die wichtigste Stelle immer noch vakant ist? Wie auch immer: Seit gestern ist es offiziell. Der Kerner hat ein Herz für die Familie. Wer mag, darf Gottschalk zu ihm sagen.