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Holtzbrinck-Verlag:Miriam Meckel wird Chefin der "Wirtschaftswoche"

Miriam Meckel

Miriam Meckel, 46, ist Kommunikationswissenschaftlerin und Publizistin.

(Foto: Rolf Vennenbernd/dpa)

Miriam Meckel hat schon viel gedeutet: digitale Kommunikation, zeitgenössische Befindlichkeiten, den eigenen Burnout. Nun wird sie Chefredakteurin der "Wirtschaftswoche" - zuletzt soll sie auch als Kandidatin für die "Spiegel"-Führungsebene gehandelt worden sein.

Beim Geburtstag der Georg-von-Holtzbrinck-Journalistenschule im Februar prophezeite die Gastrednerin Miriam Meckel, 46, Finsteres. Es bleibe "keine Zeit für Stillstand, automatisierter Journalismus ist im Kommen", warnte sie. Nachrichten könnten schon jetzt von Algorithmen geschrieben werden, bald lieferten Computer auch Reportagen und Essays. Aber es gebe Hoffnung: "Unser großes Alleinstellungsmerkmal - unsere Unique Selling Proposition - ist Biojournalismus", verkündete Meckel: "Journalismus von Menschenhand und Menschenkopf gemacht."

Den Verleger Dieter von Holtzbrinck hat das offenbar so nachhaltig beeindruckt, dass er völlig überraschend doch keinen Computer zum neuen Chefredakteur der Wirtschaftswoche machte, sondern Miriam Meckel. Sie wird, wie die Verlagsgruppe Handelsblatt am Donnerstag mitteilte, am 1. Oktober Nachfolgerin von Roland Tichy. Der 58-Jährige wechselt als Geschäftsführer zur Tochterfirma DvH Ventures, wo er für Holtzbrinck in Start-ups mit digitalen Geschäftsmodellen investieren soll.

Dass Meckel nun eine Karriere als Holtzbrincks Erste Biojournalistin anstrebt, ist überraschend - auch wenn sie bereits als Kandidatin für die Spiegel-Führung gehandelt worden sein soll und regelmäßig für das Handelsblatt schreibt. Die Theologentochter, einst RTL-Moderatorin, jüngste deutsche Professorin und Medienstaatssekretärin von NRW-Ministerpräsident Wolfgang Clement, liefert dem Land vor allem ein schier unerschöpfliches Deutungsrepertoire für zeitgenössische Befindlichkeit an der Schwelle zum digitalen Zeitalter. Meckel deutete die globale Kommunikation, sie deutete anschließend ihren eigenen Burn-out; zuletzt deutete sie die Perspektive auf eine maschinengesteuerte Menschheit.

Gelegentlich bedient sie Zeit oder NZZ mit Manufactum-Poesie über Füllfederhalter oder das gute alte Buch ("Ich berühre dich in den Worten, die du mir gibst, vielleicht sogar darin, wie ich sie verstehe"). Mit der Moderatorin Anne Will bildet sie ein attraktives Berliner Glamour-Paar. Meckel gehört zur Medienprominenz, auch davon soll wohl die Wirtschaftswoche profitieren. Der Markt für Wirtschaftsmedien ist - bio hin oder her - schwierig.