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Boulevardzeitung aus Hamburg:Was wird aus der "Morgenpost"?

Tageszeitung Hamburger Morgenpost

„Gehört zu Hamburg wie der Michel und die Elbe“: das Redaktionsgebäude der Morgenpost.

(Foto: Christian Charisius/dpa)

Gerüchte um einen Verkauf an die Funke-Gruppe sorgen für Proteste und Soldaritätsbekundungen - auch von Fußballaltmeister Uwe Seeler.

Im Herbst wurde noch groß gefeiert, die Mopo wurde 70. Mindestens jeder Hamburger kennt die Hamburger Morgenpost seit Jahrzehnten unter ihrem Kürzel. Die Mopo "als Boulevardzeitung" gehöre zu Hamburg "wie der Michel und die Elbe", sprach der Kultursenator Carsten Brosda von der SPD beim Jubiläumsempfang im Rathaus, damals machte längst das Gerücht von einem möglichen Verkauf des Blattes die Runde. Ein gutes Jahr zuvor war die Mopo noch ein paar Straßen weit umgezogen, in einen Ottenser Neubau. "Umzug in die Zukunft", hieß es auf der Website in eigener Sache, "perfekte Bedingungen für die Marke Mopo", für den digitalen und multimedialen Umbau. Und jetzt?

"Jetzt zeigt sich: Es war alles gelogen!" So sprach die Mopo-Betriebsratsvorsitzende Nina Gessner am Dienstag, als wütende Mitarbeiter ihre Mittagspause in eine Demo vor der Redaktionstür verwandelten. "Kein Verrat an der Mopo!" und "Die Mopo muss bleiben!" stand auf Schildern. "Die digitale Transformation und der Umzug dienten einzig und allein dazu, die Braut hübsch zu machen", so Gessners Verdacht. "Es war in Wirklichkeit eine Brautschau." DuMont, dem rheinischen Medienhaus gehört die Hamburger Morgenpost, habe einen Bräutigam gefunden, der die Braut "ohne ihre Familie nimmt" und "ihr den Boden unter den Füßen wegreißen" wolle: "Funke! Funke will mopo.de ohne Redaktion." Funke wolle "unsere Seite von einem eigenen Team befüllen lassen", und dieses Team gebe es schon: "Es bereitet die feindliche Übernahme bereits vor!"

Die Funke-Mediengruppe ist in Essen beheimatet, zu ihrer Sammlung zählt unter anderem das Hamburger Abendblatt, der weniger brachiale Lokalrivale der Mopo. Im Portfolio befindet sich auch das Onlineportal derwesten.de (Titel am Donnerstagnachmittag: "Hund hat großen Hunger - unglaublich, was er seit einem Jahr macht"). Eine Bestätigung für die Hochzeit mit der Mopo gibt es bisher nicht, auch keine Absage. "Der Prozess läuft einfach noch", sagt eine Sprecherin von DuMont, "es ist noch kein Ergebnis da."

Sicher ist, dass sich die Mopo seit längerem vor allem auf ihre elektronische Seite konzentriert, auf der Suche nach Klicks. Die Printversion hat noch eine Auflage von täglich ungefähr 45 000 Exemplaren, Schlagzeile an diesem Donnerstag: "Große Razzia im Tierheim." Sicher ist außerdem, dass sich die Angestellten der Mopo wehren wollen. "Das machen wir nicht mit!", hieß es bei der Kundgebung. "Diesen Deal werden wir tief in den Matsch treten!"

Bei der Betriebsverhandlung am Montag wurde der Wunsch geäußert, dass sich noch ein Käufer finde, "der nur die Zeitung kauft und das Team mitnimmt". Es gehen jedenfalls allerlei Solidaritätserklärungen ein. Hamburgs SPD-Bürgermeister Peter Tschentscher möchte, "dass die Hamburger Morgenpost als eigenständige Zeitung erhalten bleibt". Fußballaltmeister Uwe Seeler liest die Mopo, "seitdem ich denken kann". Dragqueen Olivia Jones kann sich "ein Frühstück ohne Mopo gar nicht vorstellen".

© SZ vom 24.01.2020/cag
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