bedeckt München 23°
vgwortpixel

Forderungen an den öffentlich-rechtlichen Rundfunk:Schluss mit dem Irrsinn in den Genres

Mit dem Zweiten sieht man besser. Echt? Und mit den Dritten beißt man besser? Nein, die Dritten sind ja irgendwie noch das Erste. Machen wir uns nicht lustig über Leute, die es schwer haben und schon ein wenig alt sind. Ich darf das sagen, ich bin jenseits jeder relevanten Zielgruppe, ein Ü-50-Zuschauer. Und jetzt soll ich rufen: Alles Schrott in der Glotze, Schmarrn und Müll?

Mache ich nicht.

Ich sehe keinen Schrott, ich weiß nämlich, wie die Fernbedienung funktioniert. Das scheint mich von Tausenden von Menschen zu unterscheiden, von jenen nämlich, die ständig geradezu beweinen, dass die Öffentlich-Rechtlichen mit ihren sieben Milliarden Gebühreneinnahmen ihrem Auftrag nicht nachkämen und unsere Bildung ruinieren würden.

Unter uns: Mir ist dieser Auftrag sowas von egal. Ja, ja, diese Karnevalssendungen - grausam. Ja, ja, diese affigen Shows - mediales Mobbing. Ja, ja, auch mir als Drehbuchautor wurden schon Geschichten gekillt, die mir am Herzen lagen. Auch ich nahm schon an Drehbuchbesprechung genannten Lebenszeitverkürzungstreffen teil, in denen mich nur meine christliche Nächstenliebe vor fürchterlichen Racheakten schützte.

Und?

Das einzige, was mich wirklich nervt, ist nicht das Gesamtprogramm, es ist der Irrsinn innerhalb einzelner Genres: untertänige, meinungslose, selbstgefällige Sportreporter; Film- und Serienfiguren mit der Tiefe eines Bierdeckels; gesprächslose Talkshows. Und dass plötzlich die Nazis in deutschen TV-Produktionen alle irgendwie Widerstandskämpfer sind.

Daran könnte mal gearbeitet werden.

Bis es jedoch zu Veränderungen kommt, und das kann dauern (seit etwa 200 Jahren fällt denen ja nicht mal für "Wetten, dass..." ein Ersatz ein) - solange flüchte ich mich regelmäßig zur aufregendsten Sendung unter der Sonne, zu "Roche & Böhmermann" auf ZDF-kultur. Wie hieß es dort neulich am Ende? "Aufgrund des großen Interneterfolgs gönnen sich unsere Moderatoren eine Auszeit auf den Malediven. Ab kommender Woche sehen Sie auf diesem Sendeplatz die erste Staffel von Alf. Vielen Dank für Ihre Gebühren." Dem ist aber auch gar nichts hinzuzufügen.

Friedrich Ani, 54, ist Schriftsteller und vor allem für seine Kriminalromane um Kommissar Tabor Süden bekannt. 2012 wurde er, gemeinsam mit Ina Jung, mit dem Bayerischen Fernsehpreis für das Drehbuch für "Das unsichtbare Mädchen" ausgezeichnet