Film-Crowdfunding Skepsis bei den etablierten Produzenten

Traditionelle Finanzierung ist an viele Kompromisse gebunden", sagt Sergej Moya. "Da ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass zu viele Köche den Brei verderben." Ob ein Projekt Unterstützung findet, hängt davon ab, ob der Inhalt herausragt. "Wenn ich versuche, eine Geschichte über Crowdfunding zu finanzieren, die sich nicht sofort auf den ersten Blick als interessant und spannend darstellt, wird das wahnsinnig schwer", sagt Produzent Schwingel. Die Ergebnisse der ersten Crowdfunding-Studie scheinen ihm recht zu geben. Nur fünf der 15 untersuchten Filmprojekte konnten die benötigten Summen einsammeln.

"Warum sollte ich teilen, wenn ich normalerweise Geld damit verdienen kann?"

Für Sergej Moya ist Crowdfunding "absolute Basisdemokratie". Daniel Boehme spricht von "umfassender Demokratisierung, weil jeder seine Meinung äußern kann, und die auch wichtig ist". Ohne Crowdfunding "wäre Hotel Desire nicht möglich", sagt Schwingel, glaubt aber nicht, dass "das schon etwas für den Alltagsgebrauch ist. Doch je mehr da passiert, desto mehr wird sich das auch durchsetzen." Schwingel erkennt sogar ein neues Geschäftsmodell: "Wenn man eine starke Marke hat, könnte man die Spender auch am Gewinn beteiligen. Ich könnte mir vorstellen, dass sich das bei großen Marken in fünf bis zehn Jahren durchsetzen kann." Spender hätten dann einen ganz neuen Anreiz.

Mit Marken meint Schwingel tatsächlich Marken: Seine Beispiele sind James Bond, Hanni und Nanni oder: Till Schweiger. In der Reihenfolge.

Andere sind skeptischer. Der Sprecher der Allianz Deutscher Produzenten meint nicht, dass Crowdfunding ein "zukunftsträchtiges Finanzierungsmittel" werde. Die Etats, um die es dabei gehe, seien zu gering, also für einen Produzenten bedeutungslos. Martin Moszkowicz, 53, Vorstand des Bereichs Film und Fernsehen von Constantin Film (Der Name der Rose, Das Parfüm) sieht Crowdfunding ebenfalls nur im "Bereich von Mikrobudgets weit unter 100 000 Euro".

Für den kommerziellen Spielfilm sei das auch in absehbarer Zeit keine Alternative: "Wenn ein Filmprojekt eine starke kommerzielle Basis hat, dann braucht es kein Crowdfunding, dann kann es sich normal finanzieren." Außerdem, sagt Moszkowicz, müsste beim Crowdfunding der Crowd "irgendeine Art von Mitsprache- oder Gestaltungsrecht" gegeben werden. Das wolle er aber nicht einräumen: "Ein Projekt, das ich für sinnvoll halte, will ich selbst finanzieren und den Gewinn selbst einstreichen. Warum sollte ich teilen, wenn ich normalerweise damit viel Geld verdienen kann?"

Doch die Zahl der Crowdfunding-Projekte wächst. Was das bedeutet? Jedenfalls nicht, dass alles, das relevant wäre, an der Basis eine Zielgruppe findet. Um Menschen zum Spenden zu bewegen, braucht man Durchhaltevermögen, eine gute PR, eine starke inhaltliche Kampagne. Und man muss die Medien bedienen können - die großen wie die kleinen. Das reicht folglich von TV-Sendern oder Kinoverleihern bis zu sozialen Netzwerken. Denn, um bei Hotel Desire zu bleiben: Das fertige Produkt, der mehr als nur erotische, trotzdem nicht verbotene porneographische Film, könnte im Fernsehen laufen. Das brächte dem Produzenten Erlöse und dem Publikum ein neues Genre.