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Fernsehfilm über Luis Trenker:Moretti spielt Trenker, Hobmeier Riefenstahl

Jetzt wird die Geschichte von der Roxy-Film in Koproduktion mit BR und ORF verfilmt; 2015 soll "Der schmale Grat der Wahrheit" (Arbeitstitel) in der ARD laufen. Unter der Regie von Wolfgang Murnberger wird in Südtirol, München und Venedig gedreht. Tobias Moretti spielt Luis Trenker, Brigitte Hobmeier ist Leni Riefenstahl. Peter Probst hat das Drehbuch geschrieben. Er hat sich weitgehend an die historischen Fakten gehalten; dass Luis Trenker tatsächlich selbst Eva Brauns Tagebuch gefälscht hat, ist allerdings nicht ganz so sicher verbürgt, wie Probst es darstellt.

Tatsache ist, dass Trenker 1948 ein 96-seitiges, maschinengeschriebenes Manuskript in Umlauf brachte, das er als das authentische Tagebuch der Eva Braun ausgab. Hitlers Geliebte und ihm kurz vor dem gemeinsamen Selbstmord noch angetraute Ehefrau habe es ihm, erzählte Trenker, 1944 im Grandhotel in Kitzbühel eigenhändig überreicht. Der Inhalt: teils banal, teils aberwitzig, immer mal wieder ein bisschen obszön und schmuddelig. Göring kneift sie immer in den Hintern. Göring erzählt einen Witz über einen Juden, der nur einmal im Jahr badet, und Hitler schaut finster, weil er selbst eine Abneigung gegen Vollbäder hat. Leni Riefenstahl tanzt nackt vor Hitler, während Eva im Nachthemd im Schlafzimmer warten muss, "weil ich ein kleines Mädchen bin und sie die heimliche Königin". Sie hat sich endlich an die rehlederne Unterwäsche gewöhnt, die der Adi so gerne mag, und die sich "wie Samt auf der Haut anfühlt". Streicher führt den Nazigrößen einen Stier vor, den man tagelang hat dürsten lassen, und der nun so viel Wasser säuft, dass seine Gedärme platzen. "Besonders Hitler und Himmler fanden den Einfall originell".

Als die Zeitschrift Wochenend damit begann, das angebliche Eva-Braun-Tagebuch in Fortsetzungen abzudrucken, erhob die Familie Braun Klage beim Landgericht München. Leni Riefenstahl schloss sich der Klage an. Der Münchner Rechtsanwalt Otto Gritschneder vertrat die Familie Braun. Es wurde aufwendig Beweis erhoben. Hitlers Sekretärin Traudl Junge sagte aus, dass Eva Braun niemals lederne Unterwäsche getragen habe, und Hitlers Chauffeur Erich Kempka bezeugte empört, dass Hitler außerordentlich reinlich gewesen sei und täglich ein Vollbad genommen habe. Einzelne Passagen - wie etwa die über die Anwendung rohen Kalbfleischs als Gesichtsmaske und Vollbäder in warmem Olivenöl - waren offensichtlich aus den Erinnerungen der österreichischen Gräfin Marie Louise von Larisch-Wallersee abgekupfert. Am 10. September 1948 entschied das Landgericht München, der Text dürfe zwar weiter veröffentlicht werden, aber nur mit dem fett gedruckten Hinweis, dass er nicht von Eva Braun, sondern "aus der Feder eines noch unbekannten Autors" stamme.

War dieser "unbekannte Autor" wirklich Luis Trenker? Der Hitler-Biograf Werner Maser vertritt diese These; er stützt sich auf eine, wie er schreibt, durch Zeugen verbürgte Äußerung Trenkers, er habe mit der Verbreitung des angeblichen Tagebuchs "eigentlich nur einen Jux mitgemacht". Drehbuchautor Probst hat die These von der Autorenschaft Trenkers seiner Filmhandlung zugrunde gelegt. Das Motiv: Trenker, der sich nach langem Lavieren aus Opportunismus doch noch mit den Nazis eingelassen hatte, suchte nach dem Zusammenbruch einen süffigen Stoff, um mit Hollywood ins Geschäft zu kommen. Und, vielleicht, ein bisschen gehässige Rache an Leni Riefenstahl, die ihn zuerst in ihr Bett gelockt und ihn dann, je heller ihr Stern bei den Nazibonzen zu leuchten begann, links liegen gelassen hatte.

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