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Fernsehen und Streaming:Die Serien des Monats

Eine mysteriöse Madonna, eine Ordnungsfanatikerin und Krimis, die unterschiedlicher kaum sein könnten: Welcher neue Serienstoff sich gerade wirklich lohnt.

Wo die Auswahl endet, lässt sich längst nicht mehr überblicken: Jeden Monat landen unzählige Serien im Programm von Fernsehen und Streamingdiensten. Lustiges, Spannendes, Nützliches - aber auch jede Menge zeitraubender Quatsch. Was davon lohnt sich wirklich? Warum? Und für wen? Die SZ-Medienredaktion stellt an dieser Stelle die besten neuen Serien des Monats vor. Das Jahr startet mit einer mysteriösen Madonna, einer Ordnungsfanatikerin, und sehr unterschiedlichen Krimis.

Ein Wunder

Was passiert: Eine Madonnenstatuette weint Tränen aus Blut und hört gar nicht mehr auf. Mitten in Rom, ohne Unterlass, neun Liter pro Tag. So ein Wunder passt Ministerpräsident Fabrizio Pietromarchi (Guido Caprino) gerade gar nicht in den Kram, steckt sein Land doch in einer tiefen Krise und steht kurz vor einem (fiktiven) Italexit-Referendum. Die mysteriöse Madonna zieht alle in ihrem Umfeld in ihren Bann. Was ist ihr Geheimnis?

Heimlicher Star: So heimlich ist der gar nicht: Pater Marcello, ein Bekannter des Premiers, wird durch die Madonna in seinem Glauben bestärkt - was er auch bitter nötig hat. Er säuft und klaut und hurt herum. Tomasso Ragno verkörpert diese verlorene Seele mit animalischer, unberechenbarer Wucht. Ein großer Auftritt.

Nicht geeignet für: Alle, die kein Blut sehen können. Auch gläubige Katholiken sollten sich besser eine andere Serie suchen als diese von Regisseur und (Bestseller-)Autor Niccolò Ammaniti.

Zu sehen auf: arte.tv/serien (acht Folgen).

Aufräumen mit Marie Kondo

Was passiert: Die japanische Profi-Aufräumerin Marie Kondo hilft kalifornischen Familien beim Entrümpeln ihrer Wohnungen. Die sind in der Regel turbokapitalistisch zugemüllt mit Kram, der auch Seelen und Beziehungen der Bewohner belastet. Kondos Klienten müssen deshalb alles auf einen Haufen werfen und jeden Gegenstand einmal in die Hand nehmen. Löst er kein Glücksgefühl aus, kommt er weg. Der Rest wird fein säuberlich in Kistchen und Boxen gefaltet und sortiert. Seelenheil und minimalistische Erleuchtung sind in der Sendung garantiert. Schon Marie Kondos Bücher haben weltweit eine Art Aufräum-Bewegung ins Leben gerufen.

Heimlicher Star: Kondos Dolmetscherin, die ihr wie ein Schatten überallhin folgt und ebenfalls Marie heißt. Im Land des gnadenlosen Ideenklaus hätte man mit einem Remake gerechnet, wenn der Originalstar kein Englisch spricht. Doch Ordnungs-Marie walzt mit ihrer Methode und einem Dauerlächeln alle Zweifel nieder. Zum Glück: Die Dolmetscher-Marie sorgt für den Flow und ist nicht selten Vermittlerin zwischen materialistischem und spirituellem Ansatz, die oft aufeinanderprallen.

Nicht geeignet für: Prokrastinierer und Menschen mit Zwangsstörung. Bei beiden könnten sich Symptome verschlimmern. Und für Bibliophile, die Kondo wegen ihrer Maximal-30-Bücher-Regel des Wegwerfwahns bezichtigen.

Zu sehen auf: Netflix (acht Folgen).

Der Bulle und das Biest

Was passiert: Der Bullmastiff Rocky hetzt als sabbernder Drogenkurier durch Berlin, er wird von Polizeikommissar Elias Decker gestellt. Seiner Einschläferung entgeht der Hund durch Kollaboration, aber auch privat ist der dem Kommissar fortan Ärgernis und noch mehr Hilfe. Rocky bringt zunächst die Wohnung Deckers durcheinander, aber auch den Gefühlshaushalt seiner Nachbarin Sarah.

Heimlicher Star: Eben diese Sarah. Sie ist nicht: ein bloßes Schönchen, das dem Kommissar noch schneller zu Füßen liegt als der Hund. Sie ist, unter anderem: Deckers Vermieterin, eine Frau mit Doktortitel am Klingelschild und eine, die ansonsten weitgehend unbeeindruckt von Deckers Annäherungsversuchen ist.

Nicht geeignet für: Alle, denen beim Krimi Ernsthaftigkeit und Whodunit? wichtiger sind als zügig erzählte Plots mit einer ordentlichen Portion Rahmenhandlung. Und über ein wenig Nachsicht für plakative Männlichkeit sollte man ebenfalls verfügen.

Zu sehen auf: Sat1, montags um 20.15 Uhr / 7tv.de.

Der Pass

Was passiert: Grausige Morde im Grenzgebiet zwingen die tüchtige deutsche Kommissarin Ellie Stocker und ihren kaputten Salzburger Kollegen Gedeon Winter zur Zusammenarbeit. Die Spur führt sie zu einem Mann, der Jünger um sich schart und vom Beginn einer "roten Jahreszeit" predigt, den Zusammenbruch der Welt, wie wir sie kennen und auf den er sie mit Reinigungsritualen der Demütigung vorbereiten kann. Der Mörder, den die Zuschauer früher erkennen als die Kommissare, ist aber ein Psychopath von ganz anderer Sorte.

Heimlicher Star: Der Krampus. Die furchterregende Gestalt, die in den Alpen vor Weihnachten oft zusammen mit dem heiligen Nikolaus unterwegs ist und unartige Kinder bestraft. Der Münchner Künstler Veit Kowald entwarf die Horror-Masken aus Holz mit Tierhörnern, die der "Krampus-Mörder" bei seinen Taten trägt.

Nicht geeignet für: Menschen, die die Alpen so lieben, wie sie bei Hansi Hinterseer aussehen.

Zu sehen auf: Sky (acht Folgen).