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TV-Tipps zum Wochenende:Kämpfer und Königinnen

Gracia Patricia - Fürstin von Monaco

Insassin eines goldenen Käfigs: Aus Grace Kelly (Nicole Kidman) wird Gracia Patricia, Ehefrau von Monacos Fürst Rainier III. (Tim Roth).

(Foto: Square One/Universum/ARD Degeto)

Die besten Filme des Fernseh-Wochenendes kommen spät in der Nacht. Darin machen die Heldinnen und Helden das Leben zur Performance. Dahinter stecken knallharte Interessen.

Von Fritz Göttler

Gracia Patricia - Fürstin von Monaco

Filmbiografie, SWR, Nacht zu Montag, 1 Uhr

Olivier Dahan, der einen erfolgreichen Film über Édith Piaf drehte, widmet sich hier einer anderen Frau, deren Leben Performance war, in verschiedenen Formen: Grace Kelly (blonder Hitchcock-Star, drei gemeinsame Filme), die 1956 ins royale Fach wechselt und Rainier von Monaco heiratet. Nicole Kidman ist Grace, deren fürstliches Leben zur billigen Kopie eines Suspense-Films wird - und die Flucht daraus, zurück auf einen Hitchcock-Set, ist verbaut. Noch ein historisches Frauenbild, Arte wiederholt Jackie (Freitag, 13.45 Uhr). Natalie Portman als Jackie Kennedy, im Blick des Chilenen Pablo Larrain: perfekte Trauerarbeit. Napoleon, der am 5. Mai vor zweihundert Jahren starb (und immerhin von Marlon Brando oder Rod Steiger verkörpert wurde), packt Arte erst mal nur dokumentarisch an.

Der letzte Gentleman

Komödie, Das Erste, Nacht zu Montag, 1.20 Uhr

Lehrjahre in New York, der junge Paul Dano kriegt von Kevin Kline die Tricks von dessen Gewerbe gezeigt - der bedient als eher schmuddeliger amerikanischer Gigolo ältere Damen. Das Regie-Ehepaar Shari Springer Berman und Robert Pulcini zeigt amerikanische Wirklichkeit gern in ihren absurden, ausgebeulten Formen, und fast dokumentarisch. Lehrjahre auf der anderen Seite des Kontinents, in Reno: Last Exit Reno/Hard Eight, 1996 (Servus TV, Nacht zu Samstag, 2.50 Uhr), der erste Film von Paul Thomas Anderson. Wie man in Spielcasinos überlebt, wie Arbeit, Spiel und Prostitution ununterscheidbar ineinander übergehen, das hat das amerikanische Kino immer interessiert. Und das Reservoir der amerikanischen loser ist unerschöpflich ... Philip Baker Hall, Samuel L. Jackson, Gwyneth Paltrow, John C. Reilly (der auch im Letzten Gentleman dabei ist).

Spur der Steine

Defa-Kellerfilm, NDR, Samstag, 23.30 Uhr

Der Film von Frank Beyer gehört zu den Kellerfilmen der DDR, die Mitte der Sechziger vom ZK der SED verboten und ins Regal verbannt wurden, weil sie sozialistische Wirklichkeit nicht richtig zeigten. Manfred Krug als Balla, der mit seiner Arbeitsbrigade sehr unbürokratisch, mit Westernmethoden, das heißt anarchistisch den Betrieb auf der Großbaustelle Schkona am Laufen hält. Einmal fuchtelt er mit seinem schwarzen Hut rum wie Napoleon, zwischen Austerlitz und Waterloo. Im Kontrast dazu bundesdeutsches Kino der Sechziger, ab Samstagmorgen auf ZDF Neo, fünf Karl-May-Filme, produziert von Artur Brauner, darunter Die Pyramide des Sonnengottes oder Der Schut (8.05 und 9.40 Uhr), beide vom Hollywoodheimkehrer Robert Siodmak, oder Old Shatterhand (13.10 Uhr), von Hugo Fregonese, der in Hollywood als extrem kaltschnäuzig und melodramatisch bekannt war.

Streik

Arbeiterfilm, One, Nacht zu Sonntag, 0.45 Uhr

Von Schkona nach Agen, Südfrankreich, ein Nachklapp zum 1. Mai, 2018, von Stéphane Brizé. Arbeitskampf in einer Autozulieferfabrik, eine hektische, manchmal aus Kalkül erhitzte Auseinandersetzung um die Ansichten, Erwartungen, Zusagen von Arbeitern und Managern. Mittendrin Vincent Lindon, der in vielen Filmen von Stéphane Brizé spielt, als engagierter Gewerkschafter. Der Film steht am Ende eines kuriosen Marathons mit vier Liebes- und Ehekämpfen: Ein Hauch von Nerz (Samstag, 18.35 Uhr) mit Doris Day und Cary Grant, Der Gott des Gemetzels von Roman Polanski mit Jodie Foster, Kate Winslet, Christoph Waltz, John C. Reilly (20.15 Uhr), Harold and Maude (21.25 Uhr) und We Want Sex (22.55 Uhr), der immerhin in die Arbeitswelt führt. Arbeiterinnen streiken in den Ford-Werken im Londoner Stadtbezirk Dagenham, auch gegen die eigenen Männer.

© SZ/sfi
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