Fernsehen "Meinste, mir macht das Spaß hier?"

Sieht aus wie ein Kuraufenthalt, ist aber das glatte Gegenteil: Matula (Claus Theo Gärtner, rechts) mit Hund unterwegs auf eine Nordseeinsel.

(Foto: ZDF und Georges Pauly)

Vor vier Jahren ging der Privatdetektiv Josef Matula beim ZDF in Rente. Jetzt schenkt der Sender dem Ermittler aus "Ein Fall für zwei" ein 90-minütiges Nachleben - und weiß nicht so recht, warum.

Von David Denk

Die fetten Jahre sind vorbei. Josef Matula (Claus Theo Gärtner) haust mittlerweile in einem Wohnmobil und spricht mit einem Hund (Mumford). Der ist ihm zugelaufen und weicht nicht mehr von seiner Seite. Dabei will Matula, der alte Einzelgänger, doch eigentlich nur in Ruhe dem Jenseits entgegendämmern.

Seinen bescheidenen Hinterhof-Lebensunterhalt verdient der erfahrene Privat- als Kaufhausdetektiv und muss - Höchststrafe! - statt Lederblouson eine Uniformjacke mit "Security"-Aufnäher tragen. "Meinste, mir macht das Spaß hier? Also komm", versucht er mit jovialer Knarzstimme einen Ladendieb zur Vernunft zu bringen. Klappt so mittel.

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Ein Ausspruch, der sich auch als Kommentar zu diesem "Matula-Special" lesen lässt, mit dem das ZDF der Kultfigur vier Jahre nach ihrem Ausscheiden bei Ein Fall für zwei ein Nachleben schenkt, auf das diese allem Anschein nach auch gut hätte verzichten können.

Der Filialleiter ist außer sich, weil Matula und der Dieb den Laden verwüsten und ersterer schließlich eine Waffe zieht: "Was zum Teufel tun Sie da?" Matula, der alte Pazifist, wirft sie zurück auf einen Haufen unwahrscheinlich günstig bereitstehender Spielzeugpistolen: "Das habe ich mich auch gerade gefragt."

Dumm nur, dass lediglich Matula daraus Konsequenzen zieht, die Security-Jacke ablegt und geht, und Claus Theo Gärtner sich bei der Lektüre des Drehbuchs von Ben Braeunlich (Regie: Thorsten Näter) die Sinnfrage offenbar nicht gestellt hat.

Auch der Versuch eines Schlussgags zerstreut nicht den Eindruck der Lustlosigkeit

Eigentlich gibt es doch nur zwei Möglichkeiten, die Sinn ergeben: Entweder man lässt die Figur in Würde sterben oder man lässt sie in Würde wieder aufleben. Das ZDF hat einen dritten Weg gefunden.

Der Film beginnt damit, dass Matula im Schlick liegend aus einer Ohnmacht erwacht. In Rückblenden wird nun erzählt, wie er aus Frankfurt an die Küste gekommen ist. Ein undurchsichtiger Auftraggeber (Götz Schubert) hat ihn an die Nordsee gelotst, um bei einer alten Bekannten, die sich bedroht fühlt, nach dem Rechten zu sehen.

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"Ich wusste nicht, dass heute überhaupt noch jemand in einer Zeitung inseriert", sagt er zu Matula. "Und ich nicht, dass das noch jemand liest", erwidert dieser. Die ostentative Lustlosigkeit solcher Dialoge infiziert den gesamten Film. Auch der Versuch eines Schlussgags (Spoiler: Der Hund bekommt einen Namen, an den die Älteren sich erinnern werden!) vermag den Eindruck nicht zu zerstreuen.

Die Bekannte ist natürlich tot, als Matula mit Hund und Wohnmobil ankommt. Dass es ein Unfall war, kann dem ewigen Privatdetektiv niemand erzählen. Mit Freude am Job haben seine Ermittlungen nichts zu tun, das Herumschnüffeln ist eine Art Reflex.

Ein alternder Privatdetektiv, der nicht mehr so kann, wie er gern würde

Es geht um irgendwas mit Meeresforschung, Wissenschaftler, eine Studie, Geheimnisse, Eitelkeiten. Der Plot jedenfalls hat keine Priorität. Figuren spielen auch keine mit, nur Klischees. Und die deklamieren, wie echte Menschen nie im Leben reden würden: "Es tut mir leid, wenn die Studie nicht Ihre öko-fundamentalistischen Wunschvorstellungen erfüllt."

Es gibt eine einzige Szene, in der anklingt, wie dieser Film auch hätte werden können: selbstironisch, lässig, lebensklug. Bei einer Verfolgungsjagd bleibt Matula hinter einem sich schließenden Garagentor zurück. Früher wäre er, wie im Vorspann zu Ein Fall für zwei dokumentiert, in letzter Sekunde noch mittels Hechtrolle cool durchgeflutscht, heute bleibt er stehen, japst und zieht den Mund schief.

Ein alternder Privatdetektiv, der nicht mehr so kann, wie er gern würde. Doch eine Figur allein ist - so lästig das sein mag - noch keine Geschichte. Sollte das ZDF Matula noch einmal reaktivieren, würde es nicht schaden, auch zu wissen, warum.

Matula, ZDF, Karfreitag, 21.15 Uhr.