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Fernsehen:Mehr als die A-Seite

Bed-In For Peace

Präsidentensuite, Hilton-Hotel, Amsterdam, 1969: John Lennon und Yoko Ono demonstrieren auf ihre Weise für den Frieden. Die Doku John und Yoko gewährt viele intime Einblicke aus der Zeit, als Lennons zweites Soloalbum entstand.

(Foto: Keystone/Getty Images)

Ein Arte-Dokumentarfilm über die Beatles rückt John Lennon und Yoko Ono in ein neues Licht.

Im Mai 1971 hat die Welt den Beatles ihre Trennung noch nicht verziehen. John Lennon sitzt rauchend im Studio von Tittenhurst Park an seinem zweiten Solo-Album. Das 29 Hektar riesige Anwesen westlich von London ist sein Refugium - weg vom lärmenden London, von kreischenden Fans, vor allem von Paul McCartney. Das Verhältnis zwischen den beiden hat einen Tiefpunkt erreicht, John nutzt das Album für kleine Hassbotschaften gegen Paul. Heute hat man für so was Twitter.

Ausgerechnet diese Platte wird auch das sanfte Imagine beinhalten. Noch hat das Ganze nicht einmal einen Namen, John nennt es "nur ein Rockalbum", plant das Lied bei der Single-Auskopplung für die B-Seite. Es klingt nach mehr, finden die anderen im Studio, Imagine landet auf der A-Seite. Es soll ein Welthit werden, die Friedenshymne für jede Gelegenheit.

Zum Auftakt der Musik-Reihe Summer of Freedom zeigt Arte die untertitelte und synchronisierte Fassung des britischen Dokumentarfilms Above Us Only Sky - eine Zeile aus Imagine - unter dem Titel John und Yoko. Der Film erzählt von der Entstehung des Albums, eigentlich aber geht es 90 Minuten lang um den genial-kapriziösen Menschen Lennon und seine geheimnisvolle Muse Yoko Ono. Bisher unveröffentlichtes Material und gute Interviews mit Weggefährten, inklusive Sekretärin und Sohn Julian, bringen die beiden nahe. Der Film führt in die enge Studioküche, wo langhaarige Männer in hässlichen Hemden zwischen Dosentomaten und vollen Aschenbechern jammen. Es gibt intime Einblicke in Schlafzimmer und Bad des Teams Lennon-Ono. Erstaunlich, wie unprätentiös und unglamourös es bei Rockstars zugehen konnte, und wie simpel der Zugang zu ihnen war. Fotografen und Fans zogen auf gut Glück los - und fanden Einlass. So erging es auch Claudio. Der verwirrte Vietnamkrieg-Veteran steht in jenem Sommer vor Tittenhurst und will mit seinem Idol sprechen. John lässt sich geduldig auf ihn ein, bittet ihn sogar zum Essen. Eine wackelige Kamera offenbart in solchen und anderen Szenen einen einfühlsamen, witzigen John Lennon, nicht den ruppigen Zyniker, den er sonst gerne gab.

Auch Yoko Ono, die das Klischee der Zicke und Beatles-Zerstörerin bis heute nicht los ist, erscheint in neuem Licht. "Wir konnten froh sein, dass sie uns nicht mit Tomaten bewarfen", erinnert sich Beatles-Freund Klaus Voormann an ein Lennon-Konzert. In der Doku aber lernt man die vielseitige Kunstpionierin kennen, die Unverständnis, Misogynie und Rassismus stoisch zu ignorieren vermochte.

In einem Interview im Dezember 1980, kurz bevor ihn die Kugeln des geistig verwirrten Mark Chapman töteten, gab Lennon zu, dass die Inspiration zu Imagine aus Onos Gedichtband Grapefruit stammte. Damals, 1971, sei er zu "machohaft" gewesen, um das zuzugeben. Inzwischen ist Yoko, die auch das Albumcover gestaltete, als Urheberin miterwähnt.

John und Yoko , Arte, 21.45 Uhr.