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Fernsehen:Die Farbe Weiß

Regisseur Dominik Graf hat einen kleinen, sehr feinen Film mit Iris Berben gemacht. Es geht darin um ein besonderes Wochenende in Angst vor dem Sterben.

Hanne nach dem Drehbuch von Beate Langmaack und in der Regie von Dominik Graf trägt ein Gütezeichen, von dem das Publikum kaum etwas erfahren wird, weil ein Fernsehfilm sich für die große Vermarktungsmaschine nur bedingt eignet: Die vielfach ausgezeichnete Drehbuchautorin hat das Drehbuch für Iris Berben geschrieben. Dergleichen hat sie bislang noch nicht gemacht, aber für die Geschichte von Hanne hat sich Langmaack von Iris Berben inspirieren lassen. Wenn dann noch einer wie Dominik Graf die Regie führt, erinnert das an legendäre Theaterproduktionen, als Claus Peymann ein von Thomas Bernhard für Bernhard Minetti geschriebenes Stück aufführte, das natürlich Minetti hieß.

Das klingt schwer nach De-luxe-Fernsehproduktion. Da besteht die Gefahr, dass das existenzielle Thema, der große Regisseur und die große Schauspielerin ganz doll am großen Genie-Rad drehen. Aber genau dieser Gefahr erliegt Hanne nicht. Die Geschichte einer Frau irgendwo in ihren Sechzigern, die am Tag ihrer Pensionierung vor einer banalen Krampfaderentfernung erfährt, dass es Anzeichen für Blutkrebs gibt, ist ein eher kleiner Film geworden. Seine Größe entwickelt er aus dem feinen Sinn für Komik, mitunter rauem Humor, trefflichen Dialogen. Das Büro, Hannes Wohnung, der Besprechungsraum im Krankenhaus, in dem Hanne mal eben in zwei Minuten in Kenntnis gesetzt wird - alles strahlt in sauberem, alles isolierendem Weiß. Als ließe sich der Schmerz einfach abwaschen.

Iris Berben als Hanne, in dem gleichnamigen Film von Dominik Graf.

(Foto: Volker Roloff/NDR)

Hanne spielt an einem Wochenende, an dem schicksalhaft vieles zusammenkommt: Am Freitag erfährt Hanne, dass man ihr erst am Montag sagen kann, was die Erhöhung der weißen Blutkörperchen zu bedeuten hat. Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass sie in sechs Monaten tot ist. Hanne verbringt dieses Wochenende allein in einer fremden Stadt. Sie lernt in einem italienischen Restaurant eine lebensfrohe BH-Beraterin kennen, mit der sie einen herzhaften Kneipenabend verbringt, trifft einen früheren Liebhaber wieder, spricht im Bad einfach einen Schwimmtrainer an, damit er ihr erklärt, wie man richtig krault. Wie viele Filme, die sich der Angst vor dem nahen womöglich gewissen Tod widmen, ist auch Hanne eine Feier des Lebens, die in zwölf Kapiteln auf die Beantwortung der Frage zusteuert: Hat sie Krebs - oder nicht?

Wie Berben Verzweiflung, Ungewissheit, Sehnsucht, Freude, Wut meist nur andeutet, oft überspielt, um sich nichts anmerken zu lassen, so leichthin, so unaufwendig, fast en passant entwickeln sich die unspektakulären Ereignisse. Dominik Graf hat aus diesem Spiel mit der Todesangst keine große Sache gemacht, aber mit einem durchweg glänzenden Schauspielerensemble beweist er anrührend und unterhaltsam, dass mit den Tücken des nun mal endlichen Lebens klarzukommen alles andere als eine Kleinigkeit ist.

Hanne, ARD, Mittwoch, 20.15 Uhr.