Erstes Halbfinale zum Eurovision Song Contest:Xena und die Primadonnen

Wird es wieder einen Wurst-Moment geben? Die Halbfinals zum Eurovision Song Contest lassen erahnen, wo es hingeht in Sachen Gesang, Outfit und Bühnenbild. Erster Eindruck: Show bleibt Trumpf.

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Eurovision Song Contest 2015 - Semi Final 1

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Wir sehen: fünf Damen und Herren, die so auch Sonntagvormittag neben der Kanzel stehen und mit getragener Stimme Gottesfürchtiges vortragen könnten. Wir sehen: die Vergangenheit des Eurovision Song Contest (ESC). Als der Gesangswettbewerb noch "Grand Prix Eurovision de la Chanson" hieß und es möglich war, im hochgeschlossenen Kleidchen und mit einem Gitarrenliedchen zu gewinnen (Nicole mit "Ein bisschen Frieden" 1982). Gut, die Dame in Weinrot, Boggie aus Ungarn, hat es zumindest bis ins Finale am Samstagabend in Wien geschafft. Das dürfte aber auch schon alles sein. Das scheint bei der Konkurrenz so sicher wie das Amen in der Kirche.

Eurovision Song Contest, Wien, erstes Halbfinale

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Die Teilnehmer des ersten Halbfinals am Dienstagabend machten klar, was auch im Jahr eins nach Conchita Wurst gilt: Show ist Trumpf. Nina Sublatti aus Georgien bewegt sich outfittechnisch irgendwo zwischen der Neunzigerjahre-Serienheldin Xena (Beiname: die Kriegerin) und einer Krähe. Zugegeben, das klingt auch nicht unbedingt modern. Aber dafür ist Sublattis Song "Warrior" ganz nah am Zeitgeist - der handelt nämlich von ihren Geschlechtsgenossinnen in Georgien, die dafür kämpften, "gute Frauen, gute Mütter und gute Lehrerinnen" zu sein.

Und mal ehrlich, ...

First Semi-Final - 60th Eurovision Song Contest

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... was soll bei diesem Bühnenbild schon schiefgehen?

Augen auf bei der Dekowahl gilt ...

Eurovision Song Contest 2015 - Semi Final 1

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... für jene Teilnehmer, die sich sonst eher zurückhaltend präsentieren, wie das estnische Duo Elina Born and Stig Rästa. Ihre New-York-Kulisse beeindruckt derart, dass das Lied "Goodbye To Yesterday" fast in den Hintergrund gerät. Deshalb am Samstag einfach mal Augen schließen und hinhören - Estland geht mit einem der besten Beiträge ins Finale.

Eurovision Song Contest 2015 - Semi Final 1

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Neben der georgischen Xena im Finale: Bojana Stamenov aus Serbien. Der Beitrag des Balkanlandes ist auf Erfolg ausgerichtet: Die Sängerin setzte sich in zwei TV-Shows durch. Das Lied stammt aus der Feder eines Komponisten, der 2007 bereits einmal den ESC gewinnen konnte. Und die serbische Teilnehmerin singt erstmals auf Englisch, "Beauty Never Lies" heißt ihre Crossover-Mischung aus Pophymne und Euro-Dance-Gassenhauer. Der Liedtitel mag auch die Phantom-der-Oper-Tänzer im Hintergrund erklären.

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Es geht aber auch mit weniger: Finalteilnehmerin Polina Gagarina aus Russland setzt auf ein simples Erfolgsrezept. Ihr Song "A Million Voices" ist genauso massentauglich glatt wie das lange weiße Kleid mit tiefem Ausschnitt. Und klar, dieser Gesichtsausdruck ist auch universell verständlich. Da muss man schon viel bösen Willen unterstellen, um aus Liedzeilen wie "Wenn du unsere Stimmen rufen hörst, wirst du nicht mehr einsam sein" eine Drohung gegen die Ukraine herauszulesen.

Eurovision Song Contest 2015 - Semi Final 1

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Jennifer Lopez beim ESC? Natürlich nicht, wobei Elhaida Dani aus Albanien wohl auch bei einem Lookalike-Contest gute Chancen hätte. Was es über die 22-Jährige zu wissen gibt? Ihre Ballade "I'm Alive" ist nur die zweite Wahl, nachdem der Komponist des ursprünglichen Beitrags für Wien sein Lied zurückzog. Warum, ist ungeklärt. Das klingt nicht nach den besten Startvoraussetzungen - aber Dani hat einen Joker. Sie gewann 2013 "The Voice of Italy". Eine hohe Punktzahl zumindest aus Italien dürfte ihr im Finale also sicher sein.

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Beliebigkeit funktioniert allerdings nicht immer - auch nicht beim ESC. So reichte es für Uzari und Maimuna aus Weißrussland und ihren Eurodancepopsong "Time" nicht fürs Finale. Trotz bemühtem Pathos und weißem Wallekleid.

Pertti Kurikan Nimipaeivaet from Finland  perform the song 'Aina Mun Pitae' during the dress rehearsal for the first semifinal of the upcoming 60th annual Eurovision Song Contest In Vienna

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Und auch sie scheiterten - durchaus überraschend: Die hoch eingeschätzte finnische Punkband Pertti Kurikan Nimipäivät (PKN) wird im Finale nicht dabei sein. Drei Gruppenmitglieder haben das Down-Syndrom, ein Bandmitglied ist Autist. Die Finnen zeigten mit einer Dauer von nur eineinhalb Minuten das kürzeste Lied der ESC-Geschichte ("Aina mun pitää") - üblich sind drei Minuten. Doch mit der harten Punkrocknummer fanden die Finnen bei der Zuschauerabstimmung nicht genügend Unterstützung.

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Ebenfalls raus: Eduard Romanyuta aus Moldawien. Woran es lag? Auf jeden Fall nicht an der Gelenkigkeit der Tänzerin. Möglicherweise ja am "YMCA trifft Hip-Hop-Kid"-Chic des gebürtigen Ukrainers. Und "I Want Your Love" ist nun auch nicht gerade eine neue Botschaft.

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Show ja - aber bitte keine Lachnummer: Wer sich an dieses simple Credo hält, hat beim ESC gute Chancen, glücklich mit dem Landesfähnchen winken zu können. Maria Elena Kyriakou aus Griechenland hat das verstanden. Sie präsentierte am Dienstagabend eine silberne Variation der bis zum Bauchnabel geschlitzten Robe, dazu eine theatralische Popballade, und prompt: Finale. Bleibt für Samstag zu hoffen, dass ihr Songtitel nicht prophetisch ist. Der lautet nämlich - passend zur Finanzkrise, wie mancher Beobachter süffisant anmerkt - "One Last breath".

© SZ.de/dpa/jobr/leja
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