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Eine Woche mit der Deutschen Welle:Wieder was gelernt

Die Deutsche Welle soll Deutschland in der Welt als Kulturnation und Rechtsstaat verständlich machen. Klingt gut. Ist es das auch? Eine US-Journalistin hat eine Woche lang das Programm auf sich wirken lassen - von Geschichten zu Bäumen über Madonnas Architekten in Madrid bis zu "People and Politics".

Ein Gastbeitrag von Gina Pace, New York

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Logo des Auslandsfernsehkanals "German TV"

Quelle: DPA

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Die Deutsche Welle soll Deutschland in der Welt als Kulturnation und Rechtsstaat verständlich machen. Klingt gut. Ist es das auch? Eine US-Journalistin hat eine Woche lang das Programm auf sich wirken lassen - von Geschichten zu Bäumen über Madonnas Architekten in Madrid bis zu "People and Politics".

Auch dafür geht Steuergeld drauf: Die Deutsche Welle ist Deutschlands Auslandsrundfunk. Jetzt möchte der Sender, der gerade einen Intendanten sucht, seine Zusammenarbeit mit ARD, ZDF und Deutschlandradio verbessern. An diesem Mittwoch treffen sich die Rundfunkreferenten der Bundesländer und ein Abgesandter von Kulturstaatsminister Bernd Neumann, um Grundlagen zu diskutieren. Zeit, mal zu fragen, was der Auslandsrundfunk so macht. Im Gesetz steht: "Die Angebote der Deutschen Welle sollen Deutschland als europäisch gewachsene Kulturnation und freiheitlich verfassten demokratischen Rechtsstaat verständlich machen." Klingt gut. Ist es das auch? Gina Pace, 32, lebt in Manhattan und arbeitet als Redakteurin bei der Tageszeitung New York Daily News. Sie hat eine Woche lang das Programm der Deutschen Welle angeschaut.

Im Bild: Das Logo des Auslandsfernsehkanals "German TV" im Jahr 2002 - das Projekt von ARD, ZDF und Deutscher Welle sollte als Pay-TV in den USA angeboten werden, wurde Ende 2005 wieder eingestellt.

Dunkle Baum-Silhouetten

Quelle: dpa

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Dienstag, 26. Februar, 22.25 Uhr

Deutschlands Zukunft sind Bäume, zumindest wenn es nach der Sendung Tomorrow Today geht, in der heute über futuristische Architektur berichtet wird. Mir ist unklar, was der Reiz daran sein soll, in einem "lebenden Gebäude" aus Bäumen zu wohnen, abgesehen vom Sauerstoff. Und das soll ernsthaft Einfluss auf die Arbeit von Architekten haben?

Im Beitrag danach bauen Architekten Modelle von vertikalen Städten, mit kleinen, fliegenden Robotern drin. Ich überlege gerade, was kleine Roboter für mich alles machen könnten, als der Moderator einen Architekten vorstellt, der vertikale Städte als realistische Option darstellt. Er sagt, ihm selbst sei Berlin als Wohnort aber lieber. Das freut mich für ihn: Dass er in Berlin leben kann und nicht zwischen den fliegenden Robotern der Zukunft.

Show von Charlie Le Mindu auf Trendschau 'Vision 2013'

Quelle: dpa

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Mittwoch, 27. Februar, 22.30 Uhr

Als ich einschalte, läuft gerade Drive It. In der Sendung fahren Autos, ein Golf, ein Jaguar und ein Fiat, bei unterschiedlichen Wetterbedingungen über Schnee auf einem Gebirgspass, über eine nasse Landstraße und über noch mehr Schnee. Gleichzeitig werden die Autos vorgestellt. Und der ehemalige Rennfahrer Jacky Icks gibt kluge Ratschläge. Man soll zum Beispiel langsam fahren und vorsichtig sein, wenn die Straßen vereist sind. Aha.

Danach gucke ich In Focus: Traumjob Haarstylist, eine Sendung, in der junge Friseure für ein paar Monate begleitet werden. Mich interessiert der Aspekt, dass die Ausbildung in Deutschland vom Staat mitfinanziert wird. Das würde es in den USA nicht geben. Leider ist der Bericht in der Art eines Schülervideos gedreht: Was ich werden möchte, wenn ich groß bin.

Internetkriminalität in MV

Quelle: dpa

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Donnerstag, 28. Februar, 21.45 Uhr

Heute Abend läuft die Sendung People and Politics. Im ersten Teil geht es um die Wahl in Italien - und was sie für Deutschland und die Eurokrise bedeutet. Das ist leicht verständlich für die amerikanischen Zuschauer, ich verstehe jetzt besser, was auf Angela Merkel bei der nächsten Wahl zukommt. Und was für ein Frust es für Deutsche sein muss, wenn die Wahlen in anderen Ländern deine Heimat wirtschaftlich beeinflussen, du aber selbst nicht wählen darfst.

Später läuft dann noch ein Beitrag über Cyber-Attacken. Sieht aus, als käme das Filmmaterial direkt aus einem James-Bond-Film, irgendjemand wischt dauernd auf einem iPad herum. Gibt es die Gefahr, dass das Wassersystem und das Stromnetz in Deutschland von Hackern angegriffen wird? Ich habe beim Zugucken eher nicht das Gefühl.

Rise of the Guardians Germany Premiere

Quelle: Getty Images

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Freitag, 1. März, 19.30 Uhr

Ich gucke die Sendung Popxport und hoffe, dass es amüsant wird. Und ich kann wirklich über vieles, was da aus der deutschen Popszene berichtet wird, lachen: Die jungen Musiker der Pop-Punk-Band Killerpilze sprechen über ihre Lieder, ihre Aussagen sind Englisch untertitelt ("a break in the fast part would make it even cooler"), die Band Neonherz hat ein gruseliges neues Video mit Eis, Blut, zerbrochenem Geschirr und schmierigem Make-up. Keine Ahnung, ob das Lied von Liebe, Verlust oder Menstruation handelt. Es gefällt mir, einen Eindruck davon zu bekommen, was in der deutschen Popkultur gerade los ist, und ein Beitrag über den Youtube-Star Dena ist wirklich interessant. Nachdem ich den gesehen habe, schlage ich sogar den Namen der Band Tubbe nach, um mir ein Lied herunterzuladen.

Im Bild: Die Band Killerpilze

Madonna performs at Staples Center as part of her MDNA world tour in Los Angeles

Quelle: REUTERS

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Samstag, 2. März, 13.30 Uhr

Heute läuft Euromaxx. Die Sendung gibt einen Einblick in das Leben reicher Menschen in Europa. Zuerst wird Joaquin Torres vorgestellt, ein spanischer Architekt, der Villen nach den Wünschen von Madonna und Cristiano Ronaldo baut. Die Reporter filmen in einer Privatsiedlung außerhalb Madrids, wo Villen von Torres 800 Quadratmeter groß sind und für sechs Millionen Euro verkauft werden. Der Architekt gesteht, dass viele der Fußballspieler seine Villen wie irgendwelche Luxuswaren kaufen, und dass ihnen sein Design eigentlich egal ist. Ehrlich von ihm. Dann geht es um Skitouren und Luxuskaffee. Bald erinnert mich die Sendung stark an das amerikanische Blog Stuff White People like. Aber da falle ich vollkommen in die Zielgruppe und fühle mich also gut unterhalten.

Leistungsschutzrecht im Internet

Quelle: dpa

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Sonntag, 3. März, 20.45 Uhr

Die Beiträge in der Sendung Shift sind so, dass ich als Journalistin neidisch bin, die Idee nicht selbst gehabt zu haben. Erst kommt ein Film über Leute, die Wikipedia-Seiten im Auftrag von Unternehmen und Politikern umschreiben. Dann kommt noch ein Beitrag über Künstler in Japan, die anstelle von klassischen Familienfotos kleine Statuen ihrer Kunden aus 3D-Druckern lassen.

Minuspunkt: Keine Ahnung, ob die Sendung eine andere Sendung für jüngere und dümmere Zuschauer ersetzt hat, aber was dafür spricht und mich echt nervt, sind die Sprüche zwischen den Beiträgen: "Say Cheese!" oder "Tolle Idee!". Und dann noch der Kommentar nach dem Wikipedia-Thema: "Wissen bedeutet Macht und Macht sollte nicht von Individuen ausgenutzt werden." Aha. Vielen Dank für diese kluge Einsicht.

Tiefster Winter im Sauerland

Quelle: dpa

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Montag, 4. März, 19.15 Uhr

Germany Today zeigt drei Geschichten aus ganz Deutschland. Sie passen nicht so recht zusammen. Die erste handelt von einer Rettungsstation im Skigebiet Winterberg. Es gibt ein paar Einsätze, aber nichts wirklich Ernstes. Ich frage mich, wie gefährlich mein nächster Skiausflug sein wird, verstehe aber nicht, was an der Geschichte spannend oder neu sein soll.

Der zweite Beitrag ist dann aber ziemlich interessant. Eine neue Technologie wird vorgestellt: In Saarbrücken werden Lastwagen an der französischen Grenze mit Röntgenstrahlen auf Schmuggelware untersucht.

Dann kommt noch eine Geschichte "aus dem Leben", eine Familie verlässt das Krankenhaus mit Drillingen. Süße Babys, aber worum geht es in dem Beitrag eigentlich? Und was lerne ich daraus? Dass es Drillinge in Deutschland gibt?

© SZ vom 06.03.2013/ihe
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