Eigenwilliger Nachruf auf Liz Taylor Von einem Toten für eine Tote

In der renommierten Tageszeitung "New York Times" steht ein ausführlicher Artikel zu Liz Taylor. Das Absurde ist nur: Der Autor starb bereits Jahre vor der Diva.

Von Christina Maria Berr

Liz Taylor, gestorben, vielfach gewürdigt, begraben mit den Ehren, wie es einer Hollywood-Diva gebührt. Doch was Liz Taylor von der New York Times zum Abschied bekommen hat, ist selbst für Stars eine seltene Ehre: einen Nachruf von einem Toten.

"Ms Taylor was the beauty incarnate", meint Gussow in seinem Nachruf auf Liz Taylor.

(Foto: dpa)

Denn der Autor Mel Gussow hat die Schauspielerin gewürdigt - er starb allerdings selbst bereits 2005. Das, so scheint es, ist bei der renommierten US-Zeitung aber kein Grund, zu schweigen. Der Nachruf, umfassend und fundiert erschien unter dem Titel "A Lustrous Pinnacle of Hollywood Glamour". Taylor ist für den Verfasser also so etwas wie der glanzvolle Höhepunkt im Zauber Hollywoods - genauer gesagt, es war seine Meinung vor einigen Jahren.

Wie kann ein toter Autor einen Nachruf verfassen? Es ist in großen Redaktionen bisweilen Usus, Nachrufe für berühmte Persönlichkeiten zumindest in Teilen bereits vor der Todesnachricht zu schreiben. Eine Praxis, die durchaus Vorteile hat, denn ein Journalist kann - ohne Zeitdruck - gründlich recherchieren und überlegte Gedanken zu Papier bringen. Normalerweise jedoch überprüft der Autor dann das Geschriebene bevor es gedruckt beziehungsweise ins Netz gestellt wird, aktualisiert den Text. Dass der Nachruf eines Toten veröffentlicht wird, ist eigentlich unüblich.

Daher war der Aufschrei diesmal groß. Das Blatt wurde für das Publizierte gerügt, in Social-Media-Portalen wie Twitter wurde die "bad bad idea" des Nachrufs massenweise verlinkt - und vermutlich ist es auch der meistzitierte Nachruf in diesen Tagen.

Dabei ist das Vorgehen bei der New York Times offenbar nicht neu. Diese Art mit bereits vorverfassten Texten beziehungsweise Textbausteinen umzugehen, findet dort offenbar häufiger. So gibt es etwa einen Nachruf auf Ellen Stewart vom 13. Januar dieses Jahres, geschrieben von mel Gussow und Bruce Weber. Auch den Dramatikerkollegen Harold Pinter würdigte Mel Gussow nach seinem Tod. Er und Ben Brantley werden als Autoren des würdigenden Textes genannt. Auch unter dem Artikel über Liz Taylor steht, dass Mel Gussow, Hauptschreiber des Artikels, 2005 starb. William Mc Donald, Willima Grimes und Daniel E. Slotnik aber, so der Nachsatz, hätten Aktualisierungen vorgenommen.

Seinen eigenen Nachruf verfasste Mel Gussow übrigens nicht selbst. Stattdessen schrieb Kollege Jesse McKinley über den "Champion of Playwrights". Man darf wohl gespannt sein, was der tote Chamion in Zukunft noch alles zu sagen hat.