"Dr. Gressmann zeigt Gefühle" in der ARD Wenn der Zuschauer beim Spielen stört

Wirtschaftsanwalt und Ganove: Dr. Philipp Gressmann (Ken Duken, links) und Taci (Edin Hasanovic).

(Foto: HR/Arthur W. Ahrweiler)

Will hier jemand seinen Spieltrieb ausleben? Regisseur Niki Stein zieht in "Dr. Gressmann zeigt Gefühle" viel zu viele Register. Ken Duken darf als Philipp Gressmann kaum mehr sein als ein selbstgerechter Hampelmann.

Von David Denk

Doch, doch, auch dieser Dr. Gressmann zeigt Gefühle, er weiß sie allerdings meist gut zu verbergen, der Panzer aus Arroganz und Ignoranz ist maßgeschneidert wie sein Dreiteiler.

Der Wirtschaftsanwalt (Ken Duken) hält sich die Menschen vom Leib, indem er sie vor den Kopf stößt. Dass ausgerechnet die prollige Dolores Sturm (Alwara Höfels) seine Deckung durchbricht, hätte er am Anfang dieser albtraumhaften Frankfurter Mittsommernacht wohl selbst nicht geglaubt.

Doch in Niki Steins Farce ist maximal unwahrscheinlich gerade gut genug.

Farce? Niki Stein? Der Niki Stein?

Ja, genau der. Nach Filmen über Scientology, Kriegsheimkehrer und Rommel wollte Stein offensichtlich mal wieder Spaß bei der Arbeit haben, wogegen auch nichts einzuwenden wäre - wenn sich dieser Spaß mehr auf den Zuschauer übertragen würde. Keine Frage, der Film hat komische (Dialog-)Momente, krankt aber daran, dass man als Zuschauer das Gefühl nicht loswird, Stein und Kameramann Arthur W. Ahrweiler beim Spielen zu stören.

Die Geschichte des odd couple Gressmann und Sturm, die sich mit zwei Ganoven (Edin Hasanovic, Wolfgang Michael) anlegen, ist mit visuellen Mätzchen - Rückspuloptik, schneller Vorlauf, Point-Of-View-Wackelkamera -, derart überladen, das man sich fragt: Was soll das alles?

Falsche Frage. Denn die Effekte sind sich selbst genug; Stein und Ahrweiler haben einfach mal ein bisschen rumprobiert. Klingt schwer nach Filmhochschule. Und sieht auch so aus. Die Einblendung "Achtung: Farbentsättigung aus dramaturgischen Gründen - kein technischer Fehler ihres Empfangsgerätes!" etwa ist so, huhu, forciert crazy, dass es schon wieder reichlich bieder rüberkommt.

Das odd couple Philipp Gressmann (Ken Duken) und Dolores Sturm (Alwara Höfels).

(Foto: HR/Arthur W. Ahrweiler)

Es muss manchmal schiefgehen

Das Ensemble kommt nicht gegen die Übermacht der Form an. Der herrlich subtil begriffsstutzigen Höwels immerhin gelingt es, ihre Figur so weit zu beschützen, dass sie nicht zur Witzfigur wird. Ken Duken dagegen darf als Philipp Gressmann nur in wenigen Momenten mehr sein als ein selbstgerechter Hampelmann.

Die Fernsehfilmabteilung des Hessischen Rundfunks legt großen Wert darauf, mit (fast) jeder Produktion an Konventionen zu rütteln. Für diesen sehr respektablen Anspruch steht insbesondere der Tatort mit Ulrich Tukur. Es liegt in der Natur der Sache, dass das auch mal schiefgehen kann, ja muss. So wie hier.

Dr. Gressmann zeigt Gefühle, ARD, 20.15 Uhr.