"Die Frau von früher" auf Arte Kalte Liebe rostet nicht

Devid Striesow und Anna Loos spielen Ehekrieg: Von Schöne-Zukunft-Säuselei zu entnervtem Schweigen bis hin zu blankem Hass. Selten hat man im Fernsehen eine so gnadenlose Dekonstruktion einer Ehe gesehen.

Von Claudia Tieschky

Manchmal tut es auch im Fernsehen die gute alte Faustregel, wenn alle tot sind, ist das Stück zu Ende. Liebesgeflüster ist da naturgemäß eher nicht drin, aber es ist trotzdem die dumme Romantik, mit der das Schlamassel hier beginnt: Kuscheliges Frühstück auf Matratzen am Boden mit frischen Croissants, keine neue Liebe zwar, aber immerhin sowas wie ein neuer Anfang. Frank (Devid Striesow) und Claudia (Anna Loos) wollen mit ihrem Teenager-Sohn von Berlin nach Toronto auswandern. Die weiß gestrichene Altbauwohnung ist schon leer und gibt eine hervorragende Bühne ab für das Spiel vom Glücklichsein, das die Eheleute aufführen. Denn dass da eigentlich ein erkalteter Zustand künstlich auf Körpertemperatur gebracht wird, ist auch klar.

Was folgt, ist die Dekonstruktion dieser Ehe, so gnadenlos wie man sie im Fernsehen selten sieht. Striesow und Loos gehen von der Schöne-Zukunft-Säuselei zu entnervtem Schweigen über und von Schweigen zum blanken Hass. Dabei weht ihr edelgrauer Morgenrock über schöne Fußböden, eine letzte Klavierschülerin trifft ein und eigentlich, wenn es nicht an der Tür geklingelt hätte, könnte das alles auch weitergehen, später in Toronto, ohne Drama, einfach so. Normal.

Originell an der eigentlich üblichen, langweiligen Geschichte vom Ende der Liebe ist: Nicht irgendeine neue Freundin von Frank klingelt an der Tür und stoppt abrupt das bürgerliche Ehespiel, sondern die Frau von früher. Es ist Franks erste Liebe, in einem Rock, der zu kurz ist für ihr etwas verwelktes Gesicht. Und sie fordert den einst gegebenen Schwur ein, dass er sie immer lieben werde. Spinnt die, denkt man. Und dann geht's schon los.

Es wird zunehmend blutig

Durch die Tür raus, durch die Tür wieder rein, fast so schön wie bei Lubitsch, nach jeder Szene eine Illusion weniger, und Tusch! Es wird zunehmend blutig, und das nicht nur im übertragenen Sinn. Am Ende sind zwar doch nicht alle tot, aber wenn man überlegt, wer übrig bleibt, kann man auf einige Gedanken kommen.

Würde man diesen Film denn nun anders sehen, wenn man wüsste, dass es die Verfilmung eines Theaterstücks ist, an die sich Andreas Kleinert (Regie) und Stefan Kolditz (Drehbuch) da gemacht haben? Roland Schimmelpfennig hat Die Frau von früher geschrieben, auf viele Bühnen ist das das Stück gespielt worden. Arte stellt das in den Programmankündigungen nicht so heraus, aber eine Art von Künstlichkeit bleibt, ein interessanter Reiz. Es sieht anders aus als Fernsehen. Weniger gebührenweich. Und kalte Liebe rostet nicht.

Die Frau von früher, Arte, Freitag, 22.35 Uhr.