"Bild-Zeitung" Von "Volks"-Bibel bis "Volks"-Zahnbürste

Und diese Nebengeschäfte tragen nach Schätzungen bereits fünf bis zehn Prozent zum Gesamterfolg bei. So gibt es Merchandising-Produkte unter der eigenen Hauptmarke oder unter Nebenmarken sowie Vertriebskooperationen, bei denen es eine Umsatzbeteiligung für Springer gibt.

Auf der Internetseite Bild.de existiert beispielsweise ein großer Bild-Shop. Zu kaufen sind Tassen mit dem Bild-Logo, Bild-Bücher und -DVDs, PC-Spiele und Steuer-Software, aber auch vieles andere ohne den Markennamen - von der Akku-Rasenschere bis hin zu Kondomen. Wenn die Marke Bild selbst nicht zum Einsatz kommen soll, haben sich die Springer-Manager Nebenmarken ausgedacht.

2001 wurde der erste "Volks"-PC verkauft, danach gab es die "Volks"-Bibel, die öffentlichkeitswirksam dem Papst überreicht wurde, oder eine "Volks"-Zahnbürste. Beim Handelskonzern C & A kann man Dessous der Marke "Das Seite-Eins-Girl" kaufen. Und auch "Ein Herz für Kinder" ist eine Marke, die positiv auf Bild abstrahlen soll.

96 Prozent der Deutschen kennen "Bild"

Was genau die Marke Bild ausmacht, ist bei dieser Breite nicht leicht zu erkennen. Hermanns definiert das so: "Die Marke Bild hat neben dem journalistischen Kern weitere Elemente: preisgünstig, unterhaltend und vor allem der Nutzwert. Wir helfen den Menschen, das Leben zu meistern."

Daran ausgerichtet werden immer neue Produkte auf den Markt gebracht - Grenzen gibt es offenbar kaum. Die Marke ist nach letzten Umfragen bei 96 Prozent der Deutschen bekannt. Und die Bild-Zeitung hat in den vergangenen Jahrzehnten immer neue Ableger bekommen. So gibt es heute Computer-Bild, Auto-Bild, Sport-Bild, Bild der Frau oder die Fernsehzeitschrift Bild-Woche. Hermanns sagt, Bild erreiche heute etwa 70 Prozent der Deutschen über 14 Jahren.

In der jüngsten Wirtschafts- und Medienkrise hat sich Bild überraschend stabil gezeigt. Die Zeitung sei ein "Profiteur der Krise", sagte Konzernchef Mathias Döpfner im Frühjahr. Anzeigenkunden hätten ihre Werbebudgets zwar zusammengestrichen, sich wegen der hohen Reichweite aber auf Marktführer konzentriert. Dazu kommt: Ende 2009 hatte Springer eine 20 Millionen Euro schwere Marketing-Aktion für die eigenen Titel, darunter auch Bild, gestartet, um Marktanteile zu gewinnen.