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Betrug im Journalismus:"Was der Markt verlangt"

Hochgelobt für erfundene Geschichten: Die Reporter Janet Cooke (im Uhrzeigersinn), Claas Relotius, Jayson Blair und Tom Kummer haben mit ihren Fälschungen Redaktionen, Jurys und Leser getäuscht. Illustration: Sz/AP/dpa/imago/AFP

Relotius, Cooke, Blair, Kummer: Immer wieder werden Reporter für erfundene Geschichten gefeiert. Ein Gespräch mit Medienwissenschaftler Christoph Neuberger über die Gründe - und die Folgen für das Leservertrauen.

Interview von Harald Hordych

Die erste Aufregung um Claas Relotius mag vorüber sein, wie groß die Verunsicherung in der Branche seither ist, zeigt sich gerade deutlich. Im Dezember war bekannt geworden, dass der Spiegel -Reporter über Jahre hinweg in verschiedenen Medien gefälschte Texte veröffentlichen konnte und dafür mit Preisen dekoriert wurde. Am Samstag meldete sich nun die Jury des Deutschen Reporterpreises zu Wort: "Wir schämen uns sehr, dass wir diesem Betrüger auf den Leim gegangen sind", heißt es in einem 31-seitigen Erklärungsversuch auf der Webseite zur Frage, wie man Relotius für eine gefälschte Reportage 2018 zum vierten Mal habe auszeichnen können. Die Jury aus zehn Journalisten und einem TV-Produzenten schreibt, nach zwei Stunden Diskussion habe sich Relotius' Text knapp gegen einen aus dem Stern durchgesetzt. Cigdem Akyol, freie Journalistin, schreibt, es habe Bedenken gegeben, "auf mich aber wirkte die arabisch-deutsche Übersetzung sauber, die Reportage war packend". Laut Ines Pohl, Chefredakteurin der Deutschen Welle, könne es nicht die Aufgabe einer Jury sein, Fakten zu überprüfen. "Das muss in den Redaktionen geleistet werden." Was sich künftig bei der Vergabe des Preises ändern muss, soll im April diskutiert werden.

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