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ARD: Boxvertrag mit Sauerland-Stall:"Man kann das auch anders sehen"

Herres, Struves Nachfolger, hatte am 29. Januar 2010 offenbar nicht nur den neuen Fünfjahresvertrag mit Sauerland (2010 bis 2015) unterzeichnet, sondern gleich auch mal den alten Struve-Vertrag um ein Jahr bis zum 31. Dezember 2012 verlängert. Ganz wohl ist Senderchefin Piel bei ihrer Argumentation augenscheinlich nicht, denn sie räumt "gerne" ein, "dass man das auch anders sehen kann".

Eine, die es anders sieht, ist die Chefin des WDR-Rundfunkrates, Ruth Hieronymi. Die CDU-Politikerin sucht die Auseinandersetzung. Sie antwortete der Intendantin Piel postwendend: Der Vertrag mit der Sauerland Event GmbH sei entgegen den verschiedenen landesgesetzlichen und satzungsrechtlichen Bestimmungen ohne Zustimmung der Gremien abgeschlossen beziehungsweise vollzogen worden, so Hieronymi. Dass die von Herres unterzeichnete Vertragsverlängerung erst ein Jahr später den Gremien zur Zustimmung vorgelegt werde, verdeutliche die "dringende Notwendigkeit" einer Formalisierung des ARD-Vertragsmanagements.

Hieronymi leitet in der ARD auch die Konferenz der Gremienvorsitzenden (GVK). Sie weist daraufhin, dass die GVK wiederholt in der ARD-Hauptversammlung die Übertragung von Profiboxkämpfen kritisiert habe: "Diese Position war somit bekannt."

Keine Frage, die Politikerin ist verärgert. Kaum vorstellbar, dass der von ihr geführte WDR-Rundfunkrat den Box-Deal nach dem ablehnenden Votum des Verwaltungsrat durchwinkt. Der WDR-Rundfunkrat beschließt auf Basis einer schriftlichen Stellungnahme des Verwaltungsrates.

Vorsorglich weist Hieronymi darauf hin, dass über den Box-Deal noch in den Rundfunkräten des NDR und des SWR entschieden werde. Mit den Kollegen dort stimme sie allerdings überein, dass vor dem Kauf von Box-TV-Rechten "zunächst die Verfahrensfragen des zukünftigen ARD-Vertragsmanagements" geklärt werden müssten. Angesichts dieser Lage relativiert sich, dass der MDR schon zugestimmt hat.

Die komplizierte Lage bei den Sportrechten der ARD hat Intendantin Piel vor wenigen Wochen in einem Papier skizziert. Da gibt es die großen internationalen Abschlüsse der EBU, die Aktivität der ARD-ZDF-Agentur SportA und dann eben die ARD-Verträge. Nur in einem einzigen Fall verhandele die ARD-Sportkoordination und schließe direkt ab, lässt Piel aufführen: beim Box-Deal mit Sauerland.

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