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"A Very Murray Christmas" bei Netflix:Das System Bill Murray

Das System Bill Murray ist anders als das, was heute bei anderen Stars üblich ist, die vor allem auf Abgrenzung setzen und auf Exklusivität. Das System Murray dagegen gilt in den USA derzeit bereits als eine Art Lebenshilfe-Programm, und Murray selbst zunehmend als Heiliger. Über das Internetportal Etsy kann man Murray-Kerzen erwerben, und Murray schaut auf dem Kerzen-Bild wie ein etwas gelangweilter Jesus Christus.

Das New York Magazine jedenfalls hat neulich ein Sieben-Punkte-Programm veröffentlicht, warum und wie das Leben à la Murray ein schönes sein kann. Man soll singen, Zeit für Freunde haben, entspannt sein, magische Momente erleben und nicht vergessen, dass man einzigartig ist. So wie Bill Murray das tut.

Heute ist Murray der Mann, von dem man keinerlei Karriereplanung erwartet, und wer ihn für einen Film buchen will, muss bei einer Art Hotline eine Nachricht hinterlassen. Und wenn Murray Lust hat auf das Projekt, dann ruft er zurück. Ansonsten lässt sich der Mann in Bandanas und Pilotenbrille interviewen und hat Spaß daran, nicht fit auszusehen. Im Prinzip dürfte es jemanden wie Murray heute nicht mehr geben, und wenn er in der letzen Sendung von David Letterman aus einer Torte heraussteigt und den Menschen im Publikum Sahne um den Mund schmiert, weiß man: In Amerika ist dies nur wenigen Outlaws gestattet.

"Bill Murray is a mensch"

Dieses Murray-System geht auf den unterhaltsamen Vogel aus Ghostbusters zurück, auf den Schauspieler, der 1980 in Where the Buffalo Roam den geisteskranken Chaos-Journalisten Hunter S. Thompson gab, der später für Jahre verschwand, erst durch die junge Geschmacksgemeinde um Sofia Coppola und Wes Anderson wiederbelebt wurde - und dieser Tage in Hollywood die wirklich beste Besetzung für ein familienentfremdetes, sympathisches Arschloch ist, mit dem man am Ende viel Zeit verbringen möchte.

Mit einem einzigen Wort hatte es das Magazin Esquire bereits im Jahr 1998 gesagt. "What I ment to say about Bill Murray is, he's a mensch." Was ich über Bill Murray sagen wollte, ist, dass er ein Mensch ist. Dieser Mensch hatte sich frühzeitig seines Agenten entledigt, beschäftigte keinen Pressesprecher mehr und hatte auch keine Entourage, die dafür gesorgt hätte, dass Murray immer glücklich ist.

Trotzdem, es wäre an der Zeit für Bill Murray, eine neue Entourage zu finden. Er hat eine Lässigkeitsgrenze überschritten, die noch keinem Mann gut getan hat. Man wünschte sich, Werner Herzog würde auf dies geheimnisvolle Murray -Hotline sprechen, ihn erst einmal zurechtweisen und dann für die Rolle auf dem Level von Colonel Kurtz mit fünf Kindern engagieren. Vorerst aber muss Bill Murray mit Rentierschmuck im Haar genug sein.

A Very Murray Christmas, von diesem Freitag an bei Netflix.

© SZ vom 04.12.2015/luc
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