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64. Deutscher Filmpreis:Lola schwarz-weiß

Deutscher Filmpreis 2014 - Preisträger

Preisträgerin Jördis Triebel freut sich bei der Verleihung des 64. Deutschen Filmpreises über die Auszeichnung mit der Lola in der Kategorie "Beste Darstellerin".

(Foto: Jens Kalaene/dpa)

Tränen bei Jördis Triebel, eine Abrechnung bei Dieter Hallervorden - und eine Jury, die sich gegen den Publikumsliebling und für die Kunst entscheidet: Das war der Deutsche Filmpreis 2014. Bester Film wurde das vierstündige, in Schwarz-Weiß gedrehte Geschichtsepos "Die andere Heimat".

Der virtuose Kunstfilm setzt sich gegen die knallige Komödie durch: Die Goldene Lola für den besten deutschen Spielfilm erhielt am Freitagabend in Berlin der 81-jährige Regisseur Edgar Reitz für sein vierstündiges, in Schwarz-Weiß gedrehtes Geschichtsepos "Die andere Heimat".

Der ebenfalls in der Königskategorie nominierte Publikumsrenner "Fack ju Göhte" von Bora Dagtekin musste sich mit dem undotierten Sonderpreis für den mit sieben Millionen Zuschauern besucherstärksten Film begnügen. Den Auswandererfilm "Die andere Heimat" sahen dagegen nur 122 000 Zuschauer. Das Epos erhielt auch Preise für die Regie und das Drehbuch.

Eine Lola in Silber erhielt der Alpen-Western "Das finstere Tal" von Andreas Prochaska, der damit insgesamt acht Preise erhielt, unter anderem für Tobias Moretti als bester Nebendarsteller, die Kamera, das Szenenbild und die Tongestaltung. Eine Lola in Bronze ging an das deutsch-norwegische Frauen-Drama "Zwei Leben" von Georg Maas.

Zu Tränen gerührt war Jördis Triebel, die für ihre Leistung in der DDR-Fluchtgeschichte "Westen" als beste Schauspielerin geehrt wurde. Dieter Hallervorden - für seine Rolle in "Sein letztes Rennen" als bester Hauptdarsteller ausgezeichnet - nutzte seine Dankesrede für eine kleine Abrechnung. "Für mich bedeutet der Preis eine große Genugtuung", meinte er. Die Auszeichnung sei eine saftige Ohrfeige für Möchtegern-Kritiker, die ihn als Komödianten lange abgewatscht hätten.

Helmut Dietl erhielt die Goldene Lola für sein Lebenswerk

Einen sehr emotionalen Moment gab es bei der Gala im Berliner Tempodrom, als der krebskranke Regisseur Helmut Dietl ("Schtonk", "Zettl") die Goldene Lola für sein Lebenswerk entgegen nahm. "Danke, danke, danke! Bitte setzen Sie sich hin, sonst muss ich weinen", meinte der 69-Jährige, als sich die 1800 Gala-Gäste respektvoll von ihren Plätzen erhoben. Ausdrücklich dankte der krebskranke Dietl seiner Frau. Die Tatsache, dass er an diesem Abend auf der Bühne stehe, habe er ihrer Pflege zu verdanken.

Zum besten Kinderfilm wählte die Akademie das Pferdeabenteuer "Ostwind" von Katja von Garnier. Bester Dokumentarfilm wurde "Beltracchi - Die Kunst der Fälschung" von Arne Birkenstock über den gleichnamigen Kunstfälscher.

Mehr als 1800 Filmschaffende waren zu der von Schauspieler Jan Josef Liefers moderierten Gala gekommen, darunter Uschi Glas, Christine Neubauer, Michael Gwisdek und Katja Riemann sowie die Regisseure Leander Haußmann und Oskar Roehler. Nachdem die Trophäen verteilt waren, sollte bei dem "Familientreffen der Branche" noch bis in den Morgen weitergefeiert werden.