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30 Jahre Traumschiff im ZDF:Das Wetter so schön, das Meer so blau

Rademann flüchtet sich häufig ins Berlinern. Da fühlt er sich sicher, weeste? In seiner Nähe berlinern auch Nichtberliner, die vielleicht noch bei KiG reinwollen. KiG heißt Kreuzfahrt ins Glück und ist ein Ableger vom Traumschiff, aber weniger Malediven, mehr Korfu. Es läuft so dicht nach dem Traumschiff, dass Verwandte von Schauspielern schon gefragt haben, warum die gegen Schluss nicht mehr zu sehen waren. Aber das war schon ein neuer Film. Sieben Millionen Zuschauer.

Harald Schmidt kehrt ins Kabarett zurueck

Immer wieder kehrte Harald Schmidt im Kabarett zu seinen Wurzeln zurueck. Hier winkt der Entertainer Harald Schmidt dem Heilbronner Publikum zu.

(Foto: ddp)

Natürlich sind auch die Schauspieler in KiG toll. Aber die tollsten sind und waren auf dem Traumschiff. Gert Fröbe, zum Beispiel. "Bleiben Sie auf meinem Gesicht!", hat der zum Regisseur Hans-Jürgen Tögel gesagt. "Natürlich lerne ich keinen Text. Aber wie ich ihn suche, ist Weltklasse."

Tögel war schon bei der Schwarzwaldklinik dabei. Einmal wurde er von einem Löwen gebissen. Er wurde verarztet und hat danach weitergedreht. Er im Käfig, der Löwe draußen. Irre Geschichte. Immer wieder.

Auf dem Traumschiff treffen sich die unterschiedlichsten Schauspielertypen. Manche kommen vom Residenztheater in München oder vom Deutschen Theater in Berlin, andere haben Sixpack. Abends sitzt man häufig im Alten Fritz, der gemütlichen Kneipe am Heck des Schiffes, und erzählt sich seine Rollen.

Bist du der blinde Koch? Nein, der Gelähmte, der seine Mutter wiederfindet! Oder der taubstumme Priester, der nach einem Unfall in der Dusche begreift, dass sein Onkel eigentlich seine Schwester ist.

Manche Schauspieler sitzen bis spät zusammen und arbeiten gemeinsam an den Texten. Ich nicht. Ich habe jungen Kollegen angeboten, dass sie mir Text abkaufen können. Meine liebsten Szenen sind die mit stummen Reaktionen in der Unschärfe. Das Wetter ist so schön, das Meer so blau, und es gibt so viel zu hören von den normalen Passagieren.

Der ältere Herr zum Beispiel, dem "eine kleine Japanerin bei Gucci in Honolulu so mit den Stilettos auf den Haxen tappte", dass er zwei Wochen nicht mal mehr in Trekking-Sandalen passte. Oder das Ehepaar, das fünf Reihenhäuser verkaufen musste, um die Erbschaftssteuer bezahlen zu können. Und jetzt nicht mehr Singapur Airlines fliegen kann, sondern "Lufthansa fliegen muss": Keine Frage, der deutsche Mittelstand bricht weg.

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