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Verlosung von künstlichen Befruchtungen:Lotterie des Lebens

Per Billig-Los zum Baby: In Großbritannien soll demnächst eine zweifelhafte Lotterie starten - zu gewinnen gibt es Gutscheine für eine künstliche Befruchtung. Chance auf Elternglück oder Spiel mit dem Leben?

Das Leben ist ein Spiel. In Großbritannien wurde aus dieser Binsenweisheit nun eine Geschäftsidee entwickelt: "To Hatch" (deutsch: schlüpfen) - ein Netzwerk gegen Unfruchtbarkeit - will eine Lotterie für künstliche Befruchtungen ausrichten. Das berichten am Mittwoch übereinstimmend das Boulevardblatt Sun und die Daily Mail.

Intensive Debatte um Zulassung der Praeimplantationsdiagnostik

Bei künstlicher Befruchtung gibt es keine Garantie auf Erfolg. Viele Paare müssen die Prozedur mehrfach wiederholen - und das ist teuer. Eine britische Lotterie will nun Gutscheine für die Behandlungen verlosen.

(Foto: dapd)

Die Kommission für Glücksspiel in Großbritannien hat die Vergabe einer entsprechenden Lizenz auf Nachfrage von sueddeutsche.de bestätigt. Bereits Ende Juli gibt es demnach die erste "Gewinnausschüttung": Fruchtbarkeitsbehandlungen im Wert von 25.000 Pfund (28.000 Euro). 20 Pfund (22 Euro) wird ein Los zum Babyglück kosten. Vorerst soll die Lotterie einmal im Monat stattfinden, bei Erfolg auch häufiger.

Manchem mag dieses Vorhaben als endgültiger Beweis gelten, dass ein Menschenleben einen Preis hat. Doch die Initiatorin, To Hatch-Gründerin Camille Strachan, betont in der Sun: Sie mache einfach aus einem staatlichen Zufallsprinzip eine "echte Lotterie". Denn auch bisher ist es auf der Insel Glückssache, welche Paare, die auf natürlichem Wege kein Kind zeugen können, doch noch die Chance auf eigenen Nachwuchs bekommen.

Stiftungen auf kommunaler Ebene, sogenannte Primary Care Trusts (PCTs), entscheiden im Auftrag des Nationalen Gesundheitsdienstes (NHS) über die Vergabe der kostspieligen Fruchtbarkeitsbehandlungen. Durchschnittlich 3000 Euro kostet eine künstliche Befruchtung in Deutschland, in Großbritannien liegt der Preis für einen Behandlungszyklus bei umgerechnet 5500 Euro. Für viele Paare ist das zu teuer. Doch die einzelnen Budgets der mehr als 150 PCTs in Großbritannien sind unterschiedlich - genauso wie die Auswahlkriterien für die Mütter in spe. Der britische Abgeordnete Grant Shapps bezeichnete diese Vergabepraxis schon 2009 gegenüber der BBC als "Postleitzahlen-Lotterie".

Offene Lotterie

Die neue Lotterie soll nicht nur mehr Paaren die Chance auf ein eigenes Kind eröffnen - die Daily Mail zitiert aus einem Parlamentsbericht, wonach fast drei Viertel aller PCTs Frauen mit Babywunsch eine künstliche Befruchtung verwehren. Auch Alleinstehende, gleichgeschlechtliche und ältere Paare sollen hier ihre Chance bekommen, auf künstlichem Wege "eine Familie zu gründen", so Strachan. Das klingt ehrenhaft. Doch die Lose kann jeder kaufen - Beschränkungen wie im regulären Verfahren gibt es nicht.

In Großbritannien liegt die gesetzliche Obergrenze für In-vitro-Fertilisationen (IVF) bei 45 Jahren. Sollte eine Gewinnerin darüber liegen, werden ihr von den Lotterieveranstaltern Spendereizellen - oder eine Leihmutter in Aussicht gestellt. Gleiches gilt für jüngere Frauen, bei denen die IVF nicht zum gewünschten Ergebnis führt.

Die Gewinndetails machen die Sache nicht seriöser: So ist im Preis laut Daily Mail nicht nur die Unterbringung in einem Luxushotel während den Behandlungen enthalten, sondern auch ein Limousinen-Shuttle-Service.

© sueddeutsche.de/leja/lala
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