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Studie zur Mobilität der Deutschen:Lukratives Kommen und Gehen

Karriereboost oder Risiko: Lohnt sich ein Vollstudium im Ausland?

Viele gut ausgebildete junge Fachkräfte gehen im Laufe ihrer Karriere sogar mehrfach ins Ausland.

(Foto: Markus Hibbeler/dpa)
  • Einer Studie vom Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung verlassen pro Jahr 180 000 Bundesbürger ihr Land, um Karrierechancen im Ausland zu nutzen.
  • Die Auswanderer verdienen im ersten Auslandsjahr durchschnittlich fast 1200 Euro mehr als zuvor in Deutschland.

Deutschland ist ein Auswandererland. Es ist aber gleichzeitig auch ein Einwandererland, ein Heimkehrerland sowie ein Hin- und Herzieherland. Als wissenschaftlich belegt darf fortan gelten, dass von dieser Mobilität in alle Richtungen erstens die Mobilen selbst profitieren, weil auslandserfahrene Deutsche in der Regel deutlich besser verdienen als sie es noch vor ihren diversen Umzügen taten. Zweitens "spricht alles dafür, dass auch die Gesellschaft von dieser Zirkulation profitiert", so sieht es jedenfalls Andreas Ette vom Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (BiB) in Wiesbaden.

Ette ist der Leiter einer Forschungsgruppe, die am Mittwoch in Berlin die Ergebnisse einer Studie zu den Konsequenzen von Auslandsaufenthalten für den weiteren Lebensverlauf vorstellte. Laut BiB handelt es sich um die erste repräsentative Erhebung zu diesem Thema. Befragt wurden 10 000 deutsche Staatsbürger im Alter von 20 bis 70 Jahren, die zwischen Juli 2017 und Juni 2018 ins Ausland gezogen oder aus dem Ausland nach Deutschland zurückgekehrt sind. Die zentrale Forschungserkenntnis könnte man so zusammenfassen: Losziehen lohnt sich.

Offenbar hat sich das auch ohne repräsentative Studienergebnisse schon herumgesprochen. Jedes Jahr verlegen rund 180 000 Deutsche ihren Wohnsitz ins Ausland. Aber die meisten von ihnen kommen innerhalb von wenigen Jahren wieder zurück. Überraschend viele, nämlich fast zwei Drittel, hatten zum Zeitpunkt ihres aktuellen Auslandsaufenthalts mindestens einen weiteren hinter sich.

Bei der Entscheidung für einen Umzug ins Ausland spielt die Unzufriedenheit über die Lage in Deutschland nur eine untergeordnete Rolle, eine große Mehrheit der Befragten verlässt das Land auf der Suche nach beruflichen Chancen. Und nicht selten werden sie auch fündig. Auslandserfahrungen haben laut BiB einen messbaren positiven Einfluss auf individuelle Lebensbedingungen und Karrierechancen.

So steigt der monatliche Nettoverdienst von Vollzeitbeschäftigten im ersten Auslandsjahr um durchschnittlich 1186 Euro an, bei der Zahl wurden auch die Kaufkraftunterschiede im jeweiligen Zielland eingerechnet. Wer Deutschland auf Zeit verlässt, ist in der Regel bereits überdurchschnittlich ausgebildet, wer wieder zurückkehrt, dem geht es meistens noch besser als vor der Ausreise.

Gerade in rechtskonservativen und rechtsextremen Kreisen ist häufig von einem "doppelten Migrationsproblem" in Deutschland die Rede. Gemeint ist eine angeblich fatale Mischung aus der Flüchtlingskrise und einem sogenannten Brain drain, also einem Talentschwund. Das klingt so, als würden alle Hochqualifizierten das Land verlassen und lauter Ungebildete einreisen. Laut dem BiB-Forschungsleiter Ette ist beides falsch. Erstens gebe es in Deutschland eine deutliche Nettozuwanderung von Fachkräften aus dem Ausland, zweitens lasse sich die Existenz eines Brain drains mit den Ergebnissen seiner aktuellen Studie widerlegen.

Andreas Ette und seine Kollegen sprechen vielmehr von einer "Brain circulation", also einem stetigen Kommen und Gehen, von dem letztlich alle etwas haben. Diese Zirkulation kann beispielsweise dazu beitragen, dass ein zeitweise ausgewandertes Talent nach wenigen Jahren als dringend benötigte Fachkraft mit Fremdsprachenkenntnissen zurückkehrt. Die Studie wurde in Berlin unter dem Titel "Gewinner der Globalisierung" präsentiert. Und zu diesen Gewinnern darf man demnach nicht nur jene zählen, die tatsächlich losziehen, sondern auch jene, die lieber zu Hause in Deutschland bleiben.

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