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Streit in Italien über Rente von Cicciolina:Reizfigur im Ruhestand

Sie war Pornodarstellerin und Parlamentarierin: "La Cicciolina", die "Schnuckelige". Nun will sie in Rente gehen und die Italiener sind verärgert. Wie sich an der Porno-Rentnerin ein Streit über den politischen Zustand Italiens entzündete.

Auch wenn Rating-Agenturen die unsicheren politischen Verhältnisse Italiens kritisieren, die Gehälter italienischer Politiker sind sicher - auch über ihre Amtszeit hinaus. Das verärgert zurzeit viele Italiener. Vor allem wenn es dabei um La Cicciolina (die Schnuckelige) geht.

STALLER

Sogar Osama bin Laden bot sie Sex an - wenn er dafür auf Terroranschläge verzichtet hätte.

(Foto: AP)

Zugegeben, der Fall Cicciolina ist kein ganz gewöhnlicher. Die heute 59-jährige Italienerin mit ungarischen Wurzeln und dem bürgerlichen Namen Ilona Staller war Ende der achtziger Jahre Italiens berühmteste Pornodarstellerin und Parlamentsabgeordnete - und zwar gleichzeitig. Wo sie nur konnte, zeigte sie ihre nackten Brüste und schaffte es mit dieser Wahlkampfstrategie für fünf Jahre in das italienische Palament, als Abgeordnete der kleinen "Radikalen-Partei" von 1987 bis 1992.

Dieses Engagement soll ihr nun eine Rente von mehr als 3000 Euro pro Monat einbringen - von ihrem 60. Geburtstag im November an, für den Rest ihres Lebens. Es wäre nun diplomatisch gewesen, auf dieses Geld, zumindest eine Zeit lang, zu verzichten oder es zu spenden. Doch als die britische Zeitung Guardian Cicciolina daraufhin interviewte, bestand sie darauf, das Geld verdient zu haben: "Alle Politiker, die einmal Mitglieder des Parlaments waren, bekommen diese Altersrente und fairerweise sollte ich sie auch bekommen."

Ihre Politik sei eben "kein Bunga Bunga für einen Tag" gewesen, sondern ein intelligenter Kampf um Wähler. Damit spielte die frühere Abgeordnete auf die moralischen Verfehlungen des derzeitigen Ministerpräsidenten an. Viele Italiener, die den Fall zum Beispiel auf der Internetseite des Corriere della Sera kommentierten, ärgerte nicht der Einzelfall Cicciolina. Vielmehr stört sie die Selbstbedienungsmentalität italienischer Politiker und die hohen Kosten, die Italien durch die verhältnismäßig hohe Anzahl von gewählten Politikern entstünden.

Manche Abgeordnete nehmen Cicciolina in Schutz

Das italienische Parlament hat erst vor einer Woche ein 54 Milliarden Euro umfassendes Sparpaket verabschiedet, im Kampf gegen die Schuldenkrise und eine weitere Herabstufung der Kreditwürdigkeit Italiens. In dieser Situation war es von denselben Abgeordneten wenig geschickt, Cicciolina in Schutz zu nehmen. Franco de Luca, aus der Regierungspartei von Silvio Berlusconi, tat es dennoch:"Dass sie sich freut, wie jeder andere Abgeordnete auch, erscheint mir nicht skandalös."