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Reden wir über Liebe:"Einigen Menschen fällt es schwer, Werbung für sich selbst zu machen"

Kann eine schüchterne Ausstrahlung bei der Partnersuche nicht sogar von Vorteil sein? Schließlich wirkt distanziertes Verhalten auch anziehend.

Ein gewisser Grad an Zurückhaltung ist sexy, ja. Aber nicht, wenn jemand die Zähne gar nicht auseinanderkriegt.

Der Sozialpsychologe Philip Zimbardo beschreibt Schüchternheit als "Gefängnis im Kopf". Warum quälen sich Schüchterne so?

Das klingt jetzt hart, aber Schüchterne sind ichbezogen. Sie gehen davon aus, dass andere ständig über sie nachdenken, was ja meist gar nicht stimmt. Die Betroffenen nehmen sich daher in gewisser Weise wichtiger, als es in der Realität der Fall ist. Meine Klienten hören das nicht gerne, sehen aber irgendwann ein, dass es ihre Gedanken sind, die ihr Verhalten bestimmen.

Vereinfachen Online-Partnerbörsen die Situation, indem sie Schüchternen den direkten Erstkontakt ersparen - oder liegt gerade da das Problem?

Für introvertierte Menschen kann das hilfreich sein, da sie mehr Zeit haben, nach den richtigen Worten zu suchen. Sie umgehen aber dadurch, sich dem Nervenkitzel der ersten Begegnung auszusetzen - der durchaus schön sein kann.

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Es gibt Internetportale, die Ghostwriting anbieten und humorvolle Chat-Nachrichten im Namen ihrer Kunden schreiben, die zum ersten Date führen sollen. Ist diese Starthilfe bzw. Täuschung sinnvoll oder eher kontraproduktiv?

Einigen Menschen fällt es schwer, Werbung für sich selbst zu machen. Da können professionelle Schreiber helfen und mit Formulierungen unterstützen. Allerdings: Irgendwann muss ich dem anderen gegenübertreten. Dann besteht die Gefahr, dass sich die andere Seite in die Worte verliebt hat und beim ersten Treffen enttäuscht ist.

Wenn das Kennenlernen schon so schwierig ist: Inwiefern beeinflusst Schüchternheit das Beziehungsleben?

Das kommt darauf an, was die Schüchternheit auslöst. Manche sind nur in bestimmten Situationen schüchtern und tauen in der Beziehung auf. Schüchternheit, die aus schlechten Erfahrungen resultiert, kann dazu führen, dass sich eine dauerhafte Angst verfestigt hat, dem Partner nicht zu genügen. Die Betroffenen geben sich aber nicht zwangsläufig als zurückhaltend zu erkennen, da sie nicht wollen, dass ihre Angst auffällt. Introvertierte Menschen dagegen bleiben in Beziehungen meist wenig redselig. Sie sind aber nicht schüchtern, sondern von Natur aus eher stille Beobachter. Daher fehlt ihnen auch die Übung, mit anderen Menschen zu sprechen, was sich in der Partnerschaft bemerkbar machen kann.

Sind schüchterne Menschen in der Patnerschaft konfliktscheuer?

Ja, da sie oft nicht so viel von sich halten, sind sie häufig eher konfliktscheu und harmoniebedürftiger als Menschen mit gesundem Selbstvertrauen. Sie geben öfter klein bei, leiden dann still oder rächen sich emotional bei nächster Gelegenheit - zum Beispiel indem sie dem Partner, wenn es sich anbietet, für eine seiner Verfehlungen lange Schuldgefühle einreden.

Ist das Risiko des Fremdgehens bei einem schüchternen Partner geringer - womöglich, weil sie sich schwertun, andere Partner zu finden?

Ich würde gerne etwas anderes sagen, aber vermutlich ist der Schüchterne deshalb besonders treu, weil er wenige Gelegenheiten bekommt. Allerdings habe ich es auch schon erlebt, dass ein Schüchterner, wenn er von jemand Neuem begehrt wird, seine aktuelle Beziehung komplett in Frage stellt und diese auch daran zerbrechen kann. Deshalb rate ich Menschen in Beziehungen dazu, ab und an ein wenig zu flirten, um nicht ganz aus der Übung zu kommen.

Wer ist die perfekte Partnerin für einen schüchternen Mann - eine Macherin oder eine zurückhaltende Person?

Es gibt Schüchterne, die sich bewusst eine Macherin suchen, die das für Schüchterne oft anstrengende "Socializing" übernimmt. Oder zumindest jemanden, der nicht ganz so zurückhaltend ist wie sie selbst. So hoffen sie, mithilfe des Partners an Lebensqualität zu gewinnen, ohne sich selbst in Gefahr zu begeben. Allerdings habe ich auch schon Paare mit zwei schüchternen Partnern erlebt. Die haben sich oft viel zu erzählen, weil sie sich ähnlich sind. Sie fühlen sich verstanden und erkennen: "Hey, du bist wie ich!" Das baut die Hemmung ab. Allerdings lernen sich solche Konstellationen nicht so leicht kennen.

Was haben Sie bei Ihrer Arbeit über die Liebe gelernt?

Dass die Liebe zum Glück immer noch unberechenbar ist und von vielen Einzelfaktoren abhängt. Einige davon können wir beeinflussen, andere bleiben ein Geheimnis - oder Magie.

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