Schönheitschirurg Mang in China Ein Arzt, der Kaufmann ist

Hier posiert seine Frau Sibylle auf dem Motorrad für die Bunte, Titel: "Schön wie Gott sie schuf - und nicht ihr Mang", dort verlost eine Illustrierte einen "Traumbusen", selbstverständlich unter fachkundiger Betreuung vom Bodensee, und vor dem OP-Bereich hat der Professor einen seiner Kittel so kunstvoll in Glas rahmen lassen (Titel: "Der Chirurg. 2002. Unikat. Mang Collection"), dass das Werk glatt als Beuys durchgehen könnte. Patienten der 25-Millionen-Euro-Klinik, die Mang vor zehn Jahren hochgezogen hatte, können sich die Zeit auch mit einem Spaziergang durch die nahe Altstadt vertreiben, sofern sie sich das mit Nasengips und Gesichtsverband trauen.

"Ich bin zu großem Reichtum gekommen"

Sie sehen dann mehr als ein Dutzend Altstadthäuser, auch hier die Fassaden perfekt saniert, mit dem Schild "Familienstiftung Professor Mang" und dem Motto "Carpe diem". "Ich bin zu großem Wohlstand gekommen", eröffnet der Schönheitschirurg denn auch gerne das Gespräch, und kommt gleich zu einem seiner großen Themen: "Deshalb erfahre ich viel Neid und Missgunst bei meinen Kollegen. Viele Ärzte sind nämlich keine Kaufleute."

Mang schon. So hat er sich vor zwei Jahren auch noch mit dem ehemaligen Metro-Chef Erwin Conradi zusammengetan, um Europas größten Konzern für kosmetische Operationen zu formen. "Wir betreiben mit der Mang Medical One Group 20 Ambulanzen, acht Kliniken und beschäftigen um die 300 Mitarbeiter, darunter 20 Fachärzte für plastische Chirurgie", beschreibt der 1,91-Meter-Mann, der nach seiner chirurgischen Grundausbildung am Münchner Klinikum Großhadern den Facharzt für HNO und Kopf-Halschirurgie gemacht hatte, seinen Riesenkonzern. Übernehmen solle das Geschäft mit der Schönheit am liebsten Gloria Mang, sagt er: "Meine Tochter ist mein Ebenbild. Sehr ehrgeizig, sehr intelligent."

Zu Selbstironie ist Werner Mang übrigens doch fähig. "Die Riesenwelle der Schlauchbootlippen ebbt glücklicherweise ja etwas ab", schreibt er in seinem Buch Verlogene Schönheit. Vom falschen Glanz und eitlen Wahn. Oder: "Bei manchen ist die Gesichtshaut so gestrafft, dass sie die Knie anziehen müssten, um lächeln zu können, was aber nicht empfehlenswert ist, denn es könnte ja irgendwo die Sollbruchstelle reißen."

Vom "Schrumpfkopflook" nach zu vielen Liftings und seinem ersten Porsche nach bestandenem Studium ist die Rede in diesem Buch, in dessen Namensregister am Ende Mang zwischen Madonna und Jane Mansfield steht und die Mittelfußknochenentfernung (um noch höhere High Heels tragen zu können) auf Klaus Meine folgt. Der ist Mangs Busenfreund und Sänger der Scorpions. Wenn man in der Bodenseeklinik anruft, ertönt in der Warteschleife deren Song "Wind of Change".

Auf der nächsten Seite: Warum Professor Mang keine Lust mehr auf Schickimicki-Kreise hat.