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Österreich:Zack, das Krokodil ist weg 

Ulrich Salamun, Robert Stachel und Peter Hörmanseder (von links) mit Puppen von Niki Lauda bis Conchita Wurst: Sie sind als "Maschek" Meister der Imitation.

(Foto: Ingo Pertramer/Maschek)

Nach Straches Rücktritt fehlt Österreichs Kabarettisten eine Hauptfigur, auch der Wiener Gruppe "Maschek", die seit 20 Jahren Prominente und Politiker synchronisiert. So wild wie jetzt war's noch nie.

Drei Männer nehmen Platz auf der Kabarett-Bühne "Orpheum" im 22. Wiener Gemeindebezirk. Sie setzen sich auf drei Stühle vis-à-vis zum Publikum im ausverkauften Saal. Auf drei Tischen neben ihnen stehen jeweils drei Wasserflaschen. Die werden sie auch brauchen in den kommenden zwei Stunden, denn die Mitglieder der Kabarettgruppe "Maschek" reden ohne Unterlass, da wird schnell mal der Mund trocken. Egal, ob auf der Video-Leinwand hinter ihnen Donald Trump oder Papst Franziskus zu sehen ist, die Männer vertonen live. Sie imitieren nicht nur prominente Stimmen, sondern auch das Schlurfen der Schuhe, das Quietschen der Türen und das Seufzen der Gefolgsleute.

Angela Merkel verpassen sie die Stimme einer strengen Großmutter, Wladimir Putin die eines derben russischen Machos und der (damals) österreichische Bundeskanzler Sebastian Kurz spricht bei ihnen mit der kieksenden Stimme eines übereifrigen, spätpubertierenden Schulsprechers. Polit-Karaoke für Erwachsene. Das Publikum dankt mit viel Lachen und Applaus.

Wenig später sitzen Peter Hörmanseder, 49, und Robert Stachel, 47, dem Reporter abermals gegenüber, diesmal bei Cappuccino und Kipferl an einem Bistrotisch in einem hübschen Wiener Kaffeehaus. Der dritte Maschek-Mann, Ulrich Salamun, 48, lässt sich entschuldigen, sein Hauptgeschäft ist mittlerweile fair gehandelter Kaffee aus Nicaragua. Als Satiriker kann man nie wissen, da ist es immer gut, ein zweites Standbein zu haben.

Für Maschek ist es gerade sehr oft an der Zeit, Abschied zu nehmen. Auch der nach dem Ibiza-Video zurückgetretene FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache war ja immer ein Garant für Lacher im Maschek-Programm. Sowohl bei den Live-Vertonungen auf der Bühne als auch bei Maschek-Auftritten im österreichischen Fernsehen. Und auch auf den Wiener Puppenbühnen, die Maschek gelegentlich bespielen.

Als Vorbild für Strache diente seinem Sprecher Peter Hörmanseder der gehetzte Kojote aus der US-Zeichentrickserie "Looney Tunes": Ein recht aggressives Tier, dem meist irgendwann ein Amboss auf den Kopf fällt. "Sein Rücktritt war zumindest stimmlich ein herber Verlust für uns", sagt Hörmanseder nun und sein Kollege Stachel, im Kaffeehaus unter dem hängenden Blatt einer Topfpflanze sitzend, ergänzt: "Man braucht ja auch diese Archetypen wie in einem Kasperltheater. Jetzt fehlt uns das Krokodil." Tauchte der FPÖ-Mann im Maschek-Programm auf, so waren kaum noch Wörter zu vernehmen, nur hektisches Wodka-Bull-Gestammel. Geräusche, kurz vor dem Herzinfarkt. Manchmal musste sich Hörmanseder nach der Show beim Publikum sogar entschuldigen, so weit flog seine Spucke in den Saal.

Aber, ach, wenn es doch nur Strache gewesen wäre. Ein Großteil der alten Wiener Koalition: plötzlich weg. Auch Theresa May. Immerhin: Hörmanseder kann auch noch Putin, Erdoğan und Trump. Stachel hat sich auf Angela Merkel, Sebastian Kurz, Geert Wilders, Viktor Orbán und Jean-Claude Juncker spezialisiert. Die Stimmen der Männer passen auf ihre Figuren derart perfekt, dass sich die echten Stimmen völlig falsch anhören.

Anstrengend für Maschek ist allerdings, dass diesmal "alles auf einmal zusammenbricht", wie Stachel sagt. "Das ist wohl bisher beispiellos." Und: "Aus unserer langjährigen Erfahrung wissen wir, dass Politikerinnen und Politiker mit dem Tag ihres Abschieds für das Publikum rasend schnell uninteressant werden", meint Hörmanseder. Andererseits: "So ist das eben mit geliehener Macht."

Dann schenkt er sich ein Wasser ein. Es ist exakt 20 Jahre her, da begannen die Studienfreunde Hörmanseder, Stachel und Salamun auf kleinen Wiener Bühnen damit, zuvor auf Flohmärkten erworbene Privat-Bilder live zu vertonen. Sie dachten sich einfach neue Geschichten zu alten Dias aus. Irgendwann drehten sie auch dem Fernsehen den Ton ab und improvisierten munter wässrig drauflos. Alternative Fakten - damals noch als analoges Spaß-Programm. Ihr Publikum unterhielten Maschek - der Name geht zurück auf die Wiener Redewendung "Von der Maschekseite kommen", also jemanden austricksen - derart gut, dass sie bald von Alfred Dorfer für dessen ORF-Show "Donnerstalk" engagiert wurden. Auch bei Harald Schmidt traten sie auf.