Luft und Liebe:Lass uns Freunde bleiben!

Lesezeit: 4 min

Wenn eine Frau, mit der man gestern noch die Laken zerwühlte, diesen Satz sagt, kann ein Mann nur noch eines tun: sich schleunigst aus ihrem Leben verziehen.

Violetta Simon

"Wir müssen reden" - oh Mann, das war so ungefähr das Letzte, was er nach einem harten Arbeitstag hören wollte. Das kam gleich nach "Trag den Müll runter" oder "Was denkst du gerade?"

frau und mann

Gute Miene zum bösen Spiel: Wir können ja Freunde bleiben.

(Foto: Foto: iStockphoto)

Doch am Ende dieses Gesprächs wusste er: Diese Phrasen waren bei weitem nicht das Schlimmste gewesen, was er je gehört hatte. Es gab jetzt einen neuen Favoriten, und der lautete: "Lass uns Freunde bleiben."

Sie hatte es ganz ruhig ausgesprochen. Ihn dabei aus ihren großen, braunen Rehaugen angeschaut. Seine Hände in ihre genommen. Und dann einfach so sein Herz zerquetscht. War darauf herumgetrampelt und hatte Salz in die blutenden Ritzen gestreut. Alles mit diesem einen Satz.

Und er? Hatte die Reste vom Boden gekratzt und gestammelt: "Wie du meinst." Als sie gegangen war, konnte er nicht glauben, dass er sich so abspeisen ließ. Hatte er noch alle Tassen im Schrank? Dieses eiskalte Biest war gestern noch die Frau seines Lebens, sie wollten nach Kenia reisen, Kinder haben, ein Haus kaufen. Und jetzt? Abgestempelt zum Kumpel. Zum Händchenhalter zweiter Klasse.

Grausamer als die Knef

"Lass uns Freunde bleiben." Welcher Scherzkeks hatte sich das bitte einfallen lassen?

Die Sängerin Hildegard Knef hatte in Sachen Liebe nie lang rumgeheult. Wenn es aus war, war es eben zu Ende. Die knochentrockene Frau mit den tragischen Tränensäcken sang ganz ungerührt: "Wer wird denn weinen, wenn man auseinandergeht". Die Zeile "Lass uns Freunde bleiben" hat sie nicht gesungen, niemals. Davon ist in keinem ihrer Songs auch nur ein Wort zu hören. So abgeklärt war selbst die Knef nicht. Und vor allem war sie keine Lügnerin, sondern nannte die Dinge beim Namen.

Eine Frau aber, die sagt: "Lass uns Freunde bleiben", meint eigentlich: Es tut mir leid, dass du meine Zeit verschwendet hast. Ich verstehe wirklich nicht, was ich mal von dir wollte. Ich habe ein schlechtes Gewissen, weil ich dich verliebt in mich gemacht habe und jetzt kein Interesse mehr habe. Ich finde dich peinlich, du nervst unheimlich. Ich brauche jemanden, der ab und zu meinen Computer repariert, die Getränkekisten hochträgt und mich nach Hause fährt.

Was sie wirklich niemals damit ausdrücken will, ist: Dass sie an einer echten Freundschaft interessiert ist. Allerhöchstens will sie sagen: Im Bett bist du einfach nicht zu gebrauchen. Aber wenigstens magst du französische Filme. Fürs Kino reicht es also. Bei der Vorstellung, neben ihr im Kino zu sitzen und dabei seine Hand nur noch aufs eigene Knie zu legen, bekam er jetzt schon hektische Flecken.

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