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Kolumne "Er sagt, sie sagt":Frag meine Stirnlappen!

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Schatz, glaub mir, es liegt an den Stirnlappen!

(Foto: iStock)

Männer können sich nichts merken außer Fußballergebnisse, heißt es immer. Das stimmt natürlich nicht. Für den Fall, dass es - wider Erwarten - doch einmal zum Äußersten käme, hätten sie zumindest eine überzeugende Ausrede.

Es könnte alles so schön sein. Der Abend liegt vor einem wie eine Verheißung - und plötzlich ist alles anders. So wie neulich wieder, als er nach Hause kam und sie diesen harmlosen Satz sagte:

Sie: Und, hast du dir schon überlegt, was du heute Abend machen möchtest?

Er: Ach, ich dachte mir, ich werd heut mal mit den Jungs Champions League gucken.

Sie: Im Ernst jetzt?

Er: Na klar, Schalke gegen Real Madrid - das wird ein Hammerspiel!

Er denkt: Ein Jammer, wie wenig diese Frau von Fußball versteht.

Sie: Verstehe.

*** Wenn eine Frau sagt, dass sie etwas versteht, heißt das nicht, dass sie auch damit einverstanden ist. Was ihn betrifft, so scheint er noch weniger als nichts zu verstehen: ***

Er: Und, was hast du heute noch so vor?

Sie: Das kommt darauf an, ob ich noch so kurzfristig jemanden finde, der Zeit hat.

*** Eine Kunst, die Frauen perfekt beherrschen: Mit neutral klingenden Worten den anderen dazu zu bringen, dass ihm von einer Sekunde auf die andere heiß und kalt wird. ***

Er: Hab ich was verpasst? Nein wirklich, ich weiß nicht, wovon du sprichst!

Sie: So, so. Du weißt also nicht einmal, wovon ich spreche. Und dass wir ins Kino gehen wollten, weißt du auch nicht mehr?

Er: Schau, Hase. Es kann gar nicht sein, dass ich mit dir ins Kino gehen wollte. Weil doch heute dieses wichtige Spiel übertragen wird.

Sie: Vielleicht hattest du das ja in dem Moment ebenfalls vergessen?

*** Die Ironie in diesen Worten ist ihm wohl entgangen. Dass sie allen Ernstes in Betracht zieht, dass er ein Champions-League-Spiel vergessen würde, findet er beinahe rührend. Er nutzt die Chance und spielt mit: ***

Er: Du hast recht, ich hab's total vergessen. Tut mir leid, ich ruf Jens an und sage ab.

Sie: Ich will aber nicht, dass du absagst. Geh ruhig. Außerdem ist es jetzt sowieso zu spät.

*** Da haben wir's! Wäre ja auch zu schön gewesen. ***

Er: Wofür zu spät - hast du was reserviert, hat die Vorstellung schon angefangen?

Sie: Nein, aber jetzt hab ich keine Lust mehr. Die Stimmung ist jetzt sowieso schon im Eimer.

Er: Also bitte, das ist nicht fair!

Sie: Na und, bin ich vielleicht schuld an deiner Schusseligkeit?

*** Wenn er jetzt noch den Absprung schaffen will, hilft nur noch knallharte Argumentation - oder Phantasie. ***

Er: Für meine Schusseligkeit kann keiner was, nicht mal ich selbst. Ist was Erbliches, hab ich vor Kurzem gelesen. Es gibt da so ein Gen, das dafür verantwortlich ist, dass man Sachen vergisst oder verlegt. Und deshalb werden bei mir ganz viele wichtige Signale nicht in die Stirnlappen weitergeleitet.

Sie: Was zum Teufel redest du da? Was für Signale? Welche Stirnlappen?

Er: Die dafür zuständig sind, dass ich an unseren Jahrestag denke oder meine Sporttasche aufräume. Diese Signale erreichen meine Stirnlappen irgendwie nicht. Mein Vater oder meine Mutter, einer von beiden muss mir das vererbt haben.

Sie: Vielleicht solltest du dir dann einfach einen Zettel schreiben?

Er: Tu ich ja. Aber dann weiß ich nicht mehr, wo ich ihn hingetan habe, verstehst du?

Sie: Weißt du was? Geh einfach und mach dir einen schönen Abend. Ich glaub, ich brauch jetzt echt meine Ruhe.

Er: Bist du sicher?

Sie: Absolut.

Er: Na gut, wenn du meinst. Es wird sicher nicht spät.

Als er zur Tür geht, klingelt das Telefon. Er geht ran, hört zu, nickt amüsiert.

Er: Verstehe. Gut, ich werde es ihr sagen.

Sie: Wer war das?

Er: Margot. Ich soll dir viele Grüße ausrichten. Sie wartet seit 'ner halben Stunde beim Italiener auf dich.

Kommen Ihnen solche Auseinandersetzungen bekannt vor? Haben Sie Situationen mit Ihrem Partner erlebt, die sich als Dialog umsetzen lassen? Beschreiben Sie in wenigen Sätzen Ihre Erfahrungen und senden Sie sie an leben@sueddeutsche.de (Betreff: Kolumne). Unsere Autorin verarbeitet die besten Ideen zu einer Kolumne, die auf SZ.de veröffentlicht wird.