bedeckt München
vgwortpixel

Ein Anruf bei...:... Monika Osberghaus, Verlagsleiterin im Shitstorm

Im Kinderbuch "Alles lecker!" werden Unterschiede in der Schweinehaltung gezeigt. Einigen Tierzüchtern schmeckt das gar nicht.

(Foto: Klett Kinderbuch Verlag/Facebook)

Schweinezüchter stören sich an einem acht Jahre alten Kinderbuch aus dem Klett-Kinderbuch-Verlag. Es geht um Bio-Schweinezucht und Massentierhaltung.

"Wir machen Sie fertig auf Facebook", "wir können das" - im Netz haben Tierzüchter einen Shitstorm gegen den Klett-Kinderbuch-Verlag gestartet. Ein Gespräch mit Verlagsleiterin Monika Osberghaus.

SZ: Frau Osberghaus, was ist da los?

Monika Osberghaus: Unser Kinderbuch "Alles lecker!" haben wir bereits seit acht Jahren im Programm. Dort befassen sich zwei Autorinnen auf unterhaltsame Art mit Fakten rund ums Essen. Vor einigen Tagen dann hat sich jemand offenbar für seine Kinder das Buch in einer Bücherei ausgeliehen und fand es nicht gut. Seitdem geht es wirklich rund bei uns.

Wieso?

Na ja, das war offenbar eine konventionelle Schweinezüchterin, der das Buch missfiel. Die hat erst auf ihrer Internetseite dagegen angeschrieben. Nun ist daraus eine Art Shitstorm konventioneller Tierzüchter gegen uns geworden. Auf unterschiedlichen sozialen Medien häufen sich die immer gleichen Beschwerde-Posts. Und auf Amazon wurde eine Kampagne gegen uns losgetreten. Auch hier läuft das Telefon heiß.

Wie erklären Sie sich die Aufregung?

Auf einer Seite des Buches wird den Kindern der Unterschied zwischen Bio-Schweinezucht und Massentierhaltung erklärt. Natürlich mit einer gewissen Tendenz. Auf der einen Seite ist da: Licht, Luft, Platz und gesundes Futter. Auf der anderen Seite ein ganz schreckliches Bild von Schweinen in Massentierhaltung, welches so nicht mehr überall realistisch ist. Das war es wohl, was den Shitstorm vor allem verursacht hat.

Monika Osberghaus, 57, hat als Buchhändlerin gearbeitet, Germanistik und Skandinavistik studiert, den „Grüffelo“ übersetzt und lange als Buchkritikerin gelebt. Heute leitet sie den von ihr konzipierten „Klett-Kinderbuch Verlag“.

(Foto: privat)

Und was hat die Schweinezüchterin dazu in ihrem Blog geschrieben?

Dass unser Buch zum Mobben von Bauernkindern aufruft. Sie habe deshalb sogar weinen müssen.

Werden Ihre Leserinnen und Leser insgesamt sensibler?

Ich finde es schon interessant, dass die sich jetzt ausgerechnet auf einen Kinderbuchverlag stürzen. Offenbar fürchten die konventionellen Tierzüchter tatsächlich um ihre Existenz oder fühlen sich politisch unter Druck gesetzt. Erst kürzlich wurde eine Autorin eines in einem Eigenverlag publizierten Gülle-Buches von Kritikern regelrecht bedroht.

Eltern wollen ihre Kinder vor allem Schlechten schützen.

Das ist halt immer diese Behütmentalität. Aber wenn Erwachsene ihre Kinder immer nur in Watte packen und sie mit dem SUV vor die Schule bringen, dann hat das offenbar auch mit schlechtem Gewissen zu tun, in was für eine Welt man den Nachwuchs da gesetzt hat. Am liebsten würden sich die Eltern wahrscheinlich selber vor allem Übel beschützen. Aber genau dagegen bin ich hier einmal angetreten, als ich den Verlag gründete. Gegen diesen ganzen glitzerrosa Mainstream-Mist.

Wie müssen gute Kinderbücher sein?

Ich finde, dass Kinder ihr echtes Leben dort wiederfinden sollen. Auf kluge und witzige Weise.

Und Haltung dürfen Bücher auch vermitteln?

Klar. Was ich aber beispielsweise nicht verstehe, ist, dass sich Leute aufregen, wenn wir das Thema Internetpornografie und Kinder in unserem Buch "Klär mich auf" behandeln. Da frage ich mich schon, warum sich die Leute dann über das Buch aufregen und nicht über die allgemeine Verfügbarkeit von Pornografie für Kinder.

Was lernen Sie aus dem Shitstorm?

Weitermachen. Wir überlegen gerade, ein ganzes Bauernhof-Buch zu produzieren, mal nur mit Schweinen, die nicht süß sind und dauernd lachen.

Schule "Am Anfang wie der Wilde Westen"

Klassenchats

"Am Anfang wie der Wilde Westen"

Wie sollen Eltern reagieren, wenn in der Whatsapp-Gruppe ihres Kindes rassistische oder kinderpornografische Inhalte geteilt werden? Ein Gespräch mit Medienpädagoge Gregory Grund.   Interview von Mareen Linnartz