Familien-Newsletter:So ein Wonneproppen!

Familien-Newsletter: Ist die nicht niedlich! Ja, ist sie - aber warum erwähnt das jeder?

Ist die nicht niedlich! Ja, ist sie - aber warum erwähnt das jeder?

(Foto: Eva Blanco via www.imago-images.de/imago images/Westend61)

Schon auf Geburtskarten steht Größe und Gewicht des Neuankömmlings. Dabei sollten solche Werte gar nicht wichtig sein.

Von Julian Gerstner

Dieser Text stammt aus dem Familien-Newsletter der Süddeutschen Zeitung, der jeden Freitagabend verschickt wird. Hier können Sie ihn abonnieren.

Liebe Leserin, lieber Leser,

wer sein erstes Kind bekommt, macht ständig Dinge, die einem vorher mindestens merkwürdig vorgekommen wären: Man schwärmt von Wolle-Seide-Bodys, kennt den Unterschied zwischen Molton- und Mulltuch - und erwischt sich plötzlich beim Verfassen einer Geburtskarte. Bei Letzterem habe ich mich gefragt, warum auf so vielen steht, wie groß und schwer das Neugeborene war. Ich muss da immer ein bisschen an mein altes Auto-Quartett denken: Baujahr, Leistung, Geschwindigkeit.

Klar, das Gewicht spielt gerade in den ersten Monaten eine große Rolle - für Ärzte und Hebammen (und deshalb natürlich auch für die Eltern). Aber für alle anderen? Jetzt werden viele sagen: Macht man halt so. Doch ich hätte es komisch gefunden, wenn zu den ersten Dingen, die Freunde über meine Tochter erfahren, gehört, wie viel sie wiegt.

Vielleicht beschäftigt mich das Thema Gewicht auch deshalb, weil ich nie gedacht hätte, dass es schon jetzt so viel Raum einnimmt, obwohl sie noch keine vier Monate alt ist. Es wird erstaunlich oft kommentiert, selbst von Fremden: Der schmeckt es aber! So ein Wonneproppen! Und man kennt das ja selbst: So ein Spruch rutscht einem schnell raus, auch wenn ein Baby vermeintlich zu klein oder dünn aussieht.

Darin spiegelt sich aber natürlich, dass wir in einer "gewichtsfixierten Gesellschaft" leben. So hat es die Psychotherapeutin Anja Hilbert in diesem lesenswerten Interview formuliert - inklusive Tipps, wie Eltern mit ihren Kindern darüber sprechen können. Das hängt wiederum auch damit zusammen, wie man selbst zu seinem eigenen Körper steht. Meine Kollegin Barbara Vorsamer hat dazu mit drei Müttern gesprochen.

Wie bei allen gesellschaftlichen Idealen geht es am Ende immer um Erwartungen: die eigenen und die der anderen. Was das im Extremfall heißt? Unser Türkei-Korrespondent Raphael Geiger hat Männer begleitet, die im wahrsten Sinne des Wortes über sich hinauswachsen wollen. Dafür ertragen sie horrende Schmerzen. Einer hat sich die Beine brechen lassen und dreht jetzt viermal täglich an der Schraube in seinem Oberschenkel. Ich musste bei der Geschichte immer wieder stocken und manche Sätze zwei- oder dreimal lesen, weil das Beschriebene so unglaublich klingt. Die Lektüre dieses besonderen Textes kann ich Ihnen nur empfehlen.

Ich hoffe, dass es meiner Frau und mir gelingen wird, unserer Tochter ein gesundes Selbstwertgefühl zu vermitteln. Und dass wir über Dinge wie Gewicht und Größe offen sprechen können. Haben Sie dafür Tipps? Ich freue mich, wenn Sie mir schreiben.

Ein schönes Wochenende wünscht

Julian Gerstner

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